Mario Balotelli greift Lega-Senator an: „Schämt euch!“
Fußballprofi Mario Balotelli ist wütend. Denn Italiens erster schwarzer Senator Toni Iwobi trat für die falsche Partei an – die ausländerfeindliche Lega.
taz/dpa | Wenn Toni Iwobi in zwei Wochen seinen Sitz in der kleinen Parlamentskammer – dem Senat – einnimmt, will er sich dort für die konsequente Abschiebung von Migranten einsetzen, die ohne Papiere nach Italien eingereist sind. Das ist erst einmal nicht überraschend, Iwobi gehört der Lega an. Die fremden- und Euro-feindliche Partei, die auch keinen einzigen Bootsflüchtling mehr ins Land lassen möchte, war bei der Parlamenstwahl Anfang März auf 18 Prozent hochgeschnellt.
Viele fühlen sich jedoch befremdet von der Tatsache, dass Iwobi zugleich der erste schwarze Senator in der Geschichte der Italienischen Republik ist. Der gebürtige Nigerianer lebt seit Jahrzehnten in der Nähe von Bergamo, er ist mit einer Norditalienerin verheiratet.
Im Norden hatte sich bis vor kurzem auch die Lega verortet, als reine Regionalpartei mit klarer Abneigung gegen den Süden des Landes und „das diebische Rom“. Erst ihr jetziger Chef Matteo Salvini schwenkte, als er vor vier Jahren die Führung der damals schwächelnden Partei übernahm, um. Salvini war es auch, der Iwobi zum Immigrationsbeauftragten der Lega ernannt hatte. Auf Fotos von einer Wahlkampfveranstaltung waren beide in weißen Shirts mit der Aufschrift „Stop Invasione“ – „Stoppt die Invasion“ zu sehen.
Iwobi erntet für seinen Einzug in den Senat unter dem Banner der Lega jetzt scharfe Kritik von Mario Balotelli. Der italienischen Fußballprofi schrieb auf Instagram: „Vielleicht bin ich blind, oder vielleicht haben sie ihm noch nicht gesagt, dass er schwarz ist. Schämt Euch!!!“
Der 27-jährige Ex-Nationalspieler, der in Palermo als Sohn ghanaischer Einwanderer geboren wurde, ist immer ausgegrenzt worden in seiner Karriere. Als er bei Inter Mailand spielte, zu Beginn seiner Karriere, sangen Fans des Erzrivalen Juventus Turin in ganz Europa: „Non esistono negri italiani.“ Es gibt keine schwarzen Italiener. Sie sangen es, als ihre Mannschaft gegen Bayern spielte und gegen Bordeaux, und es war klar, wen sie meinten.
Immerhin – wenn unter den Juve-Fans Lega-Wähler sind, müssen die jetzt noch mal ganz tief in sich gehen.
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