Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg

Ehre, wem Ehre gebührt

Der Linken-Kandidat von Berlin-Kreuzberg möchte den Mariannenplatz nach Rio Reiser benennen. Die Idee ist gut, hat aber ihre Haken.

Rio Reiser

Ein Platz für Rio Reiser? Ob er das gewollt hätte? Foto: dpa

BERLIN taz | Die Benennung des Mariannenplatzes in Berlin-Kreuzberg nach Prinzessin Marianne von Preußen, Schwägerin des Königspaars Friedrich Wilhelm III. und Luise, ist in höchstem Maße unangemessen. Kaum ein Platz steht mehr für die links-alternative Tradition des Bezirks. Die Mythen hier ranken sich nicht um den preußischen Adel samt seinem Militarismus, sondern viel mehr um Straßenschlachten am 1. Mai, Hausbesetzungen und Widerstand gegen die Obrigkeiten.

Es ist also nur konsequent, wenn Pascal Meiser, Friedrichshain-Kreuzbergs Direktkandidat der Linken zur Bundestagswahl, für den kommenden Sonntag zu einer symbolischen Platzumbenennung einlädt. Gedenken will er damit „einem namhaften Rockkünstler der deutschen linken Szene, der am 20. August vor 21 Jahren verstorben ist.“ Die Rest-Spannung, die Meiser durch Vermeidung der Namensnennung aufrechtzuerhalten versucht, können wir ihm nicht gönnen: Willkommen also auf dem Rio-Reiser-Platz!

Doch Moment, ist das überhaupt eine gute Idee? Unzweifelhaft ist – und wird – der Ton Steine Scherben-Sänger mit dem Platz verbunden. Mit dem Rauch-Haus-Song, der Hymne auf die Besetzung des angrenzenden früheren Bethanien-Krankenhauses im Dezember 1971, setzte Reiser dem Platz ein Denkmal. „Der Mariannenplatz ist blau, soviel Bullen waren da“, schallt es noch heute auf so vielen linken Demos und Partys. Sollte es zukünftig also heißen: Der „Rio Reiser-Platz war blau“? Die Verwirrung der Nachwuchs-Autonomen ist vorprogrammiert, die Traditionslinken werden aufheulen.

Auch aus Gendergerechtigkeit taugt der Vorschlag kaum: Einen nach einer Frau – so rückständig sie auch gewesen sein mag – benannten Platz nun einem Mann zu widmen, dürfte vielen gar nicht schmecken. Schon die Umbenennung großer Teile der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße war ein Sakrileg, das nur aufgrund einer Volksabstimmung zustande kam. Seit 2005 müssen neue Straßen in Friedrichshain-Kreuzberg Frauen im Namen führen. Auch für Linke – und Die Linke – wird hier sicher keine Ausnahme gemacht werden.

Man könnte jedoch auch die einzige Frau der Ton-Steine-Scherben-Familie würdigen, bräuchte dafür jedoch ein extra-langes Straßenschild: „Die-Managerin-der-Band-von-Rio-Reiser-Platz“. Immerhin wäre das eine Möglichkeit, mit der auch die im Bezirk allmächtigen Grünen sympathisieren könnten.

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