Machtkampf und Coronakrise beim HSV: Zerreißprobe im Volkspark

Dem Hamburger SV droht infolge der Corona-Pandemie das Geld auszugehen. Zugleich stellt sich die Frage, wer den Verein führen soll.

Bernd Hoffmann spricht im Januar 2020 auf der Mitgliederversammlung des HSV.

Umstritten: HSV-Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann, hier bei einer Mitgliederversammlung im Januar Foto: dpa

HAMBURG taz | Beim HSV gab es in der vergangenen Woche einiges zu besprechen. Auf einer sechsstündigen Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat ging es um die Frage, wie der Fußballclub die Auswirkungen der Coronakrise überstehen kann. Weil im deutschen Profifußball vorerst nicht mehr gespielt wird, droht dem HSV laut eigenen derzeitigen Prognosen ein Schaden von bis zu 20 Millionen Euro durch entgangene Einnahmen aus Ticketverkauf, Sponsoring und Vermarktung von Übertragungsrechten.

Finanzvorstand Frank Wettstein musste den Kontrolleuren erklären, dass das Geld wohl bis zum Sommer reichen wird, ohne in Liquiditätsschwierigkeiten zu geraten. Aber die hitzigste Debatte wurde über die Frage geführt, wer diesen HSV überhaupt aus der Krise führen soll.

Seit einige Medien kürzlich über einen schwelenden Streit im Vorstand berichteten, tobt hinter den Kulissen ein Machtkampf, der den Verein wieder einmal vor eine Zerreißprobe stellt. Auf der einen Seite steht der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. Nachdem er sich vor zwei Jahren zunächst zum Präsidenten der Amateur- und Breitensportler wählen ließ, in den Aufsichtsrat der HSV Fußball AG einzog, dort den Vorsitz übernahm, um schließlich in den Vorstand zu wechseln, versucht er Wogen zu glätten. Bei einem Verein im permanenten Krisenmodus keine einfache Aufgabe.

Inzwischen hat sich gegen Hoffmann eine Fraktion gebildet, die inmitten in der schwersten Herausforderung der Club-Geschichte einen Putsch angezettelt hat. Hoffmann soll gestürzt werden.

Verstimmter Geldgeber

Zum Lager seiner Gegner gehören Sportvorstand Jonas Boldt, Finanzchef Frank Wettstein, Vereinspräsident Marcell Jansen und die Aufsichtsräte Michael Krall und Markus Frömming. Fast alle eint nicht nur das Misstrauen gegen den Vorstandsvorsitzenden, sondern vor allem persönliche Interessen. Wettstein wollte schon früher die Nummer Eins beim HSV sein, Jansen sieht sich zukünftig ohnehin auf dieser Position, während Frömming, der Vertraute des Investors Klaus-Michael Kühne, ein Kandidat für einen neu zu schaffenden vierten Vorstandsposten wäre.

Diese Gedankenspiele über ein neues Personaltableau sind ganz im Interesse Kühnes. Der Milliardär ist verstimmt, weil Hoffmann den HSV unabhängiger von ihm machen und auch in der Coronakrise nicht auf sein Geld setzen will. Kühnes Einfluss im Club würde sich erheblich vergrößern, wenn Jansen die Führung übernähme. Dann, so die Annahme, wäre Kühne eher bereit zu einer umfangreichen finanziellen Unterstützung.

Klingt so, als wäre der Machtkampf für Hoffmann längst verloren. Ganz so einfach wird es aber dann doch nicht. Der Aufsichtsratsvorsitzende Max-Arnold Köttgen steht hinter ihm und hat in der Krisensitzung deutlich gemacht, dass es in dieser Phase keinen Platz für Grabenkämpfe gebe. Danach wird er allerdings eine Entscheidung herbeiführen müssen. Klar ist nur: Über den Sommer hinaus wird es in dieser personellen Konstellation beim HSV nicht mehr weitergehen.

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