Machtkampf um Ebola-Aufsicht im Kongo

Gesundheitsminister tritt zurück

Ebola gilt seit Kurzem als globale Bedrohung. Nun tritt Kongos Gesundheitsminister Ilunga zurück. Grund ist ein neuer Impfstoff gegen den Virus.

Ein Kind wird in den Oberarm gespritzt

Ein Kind wird in Goma gegen Ebola geimpft Foto: reuters

KAMPALA taz | Kongos Gesundheitsminister Oly Ilunga ist zurückgetreten – nur wenige Tage nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ebola-Krise zu einer weltweiten Bedrohung ausgerufen hat. Anlass des Rücktritts ist offenbar ein Streit zwischen Gesundheitsminister Ilunga und Kongos Präsident Félix Tshisekedi. Dieser hatte am Samstag ein neues Team ernannt, welches die Maßnahmen gegen das tödliche Virus nun koordinieren soll.

In seinem Rücktrittsgesuch spricht sich Ilunga gegen einen neuen Ebola-Impfstoff aus, der vom belgischen Ableger Janssen des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson hergestellt und dessen Anwendung von der WHO empfohlen wird. Laut Ilunga sei dieser nicht ausreichend getestet worden und würde das Misstrauen der Kongolesen gegen die Behandlungsmethoden weiter anheizen. Der US-Pharmakonzern gibt wiederum an, der Impfstoff sei an über 6.000 Freiwilligen getestet worden.

Derzeit wird im Osten Kongos und in den Nachbarländern ein nicht lizenzierter Testimpfstoff des US-Pharmariesen Merck & Co. angewandt. Damit wurden seit dem Ausbruch der Epidemie vor einem Jahr über 170.000 Menschen geimpft, laut WHO mit einer Zuverlässigkeitsrate von 97,5 Prozent.

Der Impfstoff wurde im Zuge des Ebola-Ausbruchs in Westafrika 2015 entwickelt, dem über 11.000 Menschen erlagen. Er ist laut WHO-Angaben konkret auf den Virus-Typ im Kongo zugeschnitten. „Wir haben doch bereits eine effektive Waffe“, hatte Minister Ilunga am Montag auf einem Koordinationstreffen mit WHO-Offiziellen betont. „Lasst uns darauf fokussieren.“

Seit Ausbruch der Epidemie im Juli 2018 sind im Ostkongo über 1.700 Menschen an dem tödlichen Virus gestorben, über 2.500 wurden infiziert. Vergangene Woche hat die WHO den Ausbruch im Kongo entlang der Grenze zu Uganda und Ruanda zu einem „internationalen Gesundheitsnotstand“ erklärt, kurz nachdem der erste Ebola-Fall in Ostkongos Millionenstadt Goma bestätigt worden war.

Die Ernennung eines neuen Ebola-Koordinators kann als politisches Machtspiel gedeutet werden. Ilunga, der bislang die Aufsicht hatte, war von Ex-Präsident Joseph Kabila zum Minister ernannt worden, dabei gehörte er Tshisekedis Oppositionspartei UDPS (Union für Demokratischen und Sozialen Fortschritt) an. Ilunga hat eine hohe Funktion im belgischen Krankenhaus inne, in dem Tshisekedis Vater und Oppositionsführer Étienne Tshisekedi 2016 behandelt und gestorben war. Für die UDPS und Sohn Tshisekedi galt Ilunga als Verräter.

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