Linke will Kiezkantinen: Essen gehen mit Elif Eralp
20 Kiezkantinen will die Linkspartei in Berlin schaffen. Und, perspektivisch, einen landeseigenen Betrieb. Kosten soll das 19 Millionen Euro im Jahr.
„Liebe geht durch den Magen!“, das ist das Motto des Konzepts, mit dem die Spitzenkandidatin der Linkspartei, Elif Eralp, in das Jahr der Abgeordnetenhauswahl startet. Am Freitag stellte Eralp im Kreuzberger Bistro „Spumante“ das Konzept der Kiezkantinen vor.
Die Bürgermeisterkandidatin der Linken präsentiert sich den Kameras in Kochschürze mit der Aufschrift „Elif's Kiezkantine“. „Alles muss man selber machen“, scherzt Eralp, während sie den anwesenden Reporter:innen Kohlrouladen mit Kartoffelpüree auftischt.
„Das sieht doch schonmal gut aus“, begegnet ihr ein Reporter. „Fast schon weihnachtlich“, kommentiert ein anderer die Atmosphäre im Lokal. Bei Jazzmusik schlagen sich die anwesenden Gäste den Magen voll, während Eralp in geübt schnellem Tempo Fragen zum Konzept beantwortet.
20 Kiezkantinen sieht die Linkspartei für Berlin vor. 3 Euro soll eine Mahlzeit dort kosten, gegen einen Aufpreis bekomme man zudem einen Salat dazu. Mit den Kiezkantinen wolle man das „Kantinensterben beenden“, heißt es im Konzept, sowie Armut und Einsamkeit entgegenwirken.
Elif Eralp, Linkspartei
„Immer mehr Menschen müssen sich zwischen einer warmen Mahlzeit und einer warmen Wohnung entscheiden“, sagt Eralp, die seit vergangenem Jahr auch stellvertretende Vorsitzende der Berliner Linken ist. Diesen „Teufelskreis“ wolle man beenden.
Realisierung in drei Schritten
Rund 19 Millionen Euro pro Jahr soll die Umsetzung schätzungsweise kosten. Angesprochen auf die Kosten, betont Eralp auch, man reiße damit „keine Löcher in den aktuellen Haushalt“. Das seien lediglich „rund 0,05 Prozent des aktuellen Haushalts“, fügt ihre Parteigenossin Livia von Samson hinzu, die mit an dem Konzept gearbeitet hat. Allerdings sei das „eher konservativ gerechnet“, so Samson.
Wie genau soll das Vorhaben umgesetzt werden? Das Konzept sieht dafür drei Phasen vor. In einer ersten Phase wolle man sich auf die „Reaktivierung und Stärkung“ von bestehenden Strukturen fokussieren, so Eralp. Der Senat, so die Forderung der Linken, müsse in dieser Phase Förderungen ausschreiben, auf die sich bereits bestehende Kantinen bewerben könnten.
In einer zweiten Phase könnten bis zu 14 neue Kantinen entstehen. Vorgesehen sind auch hier öffentliche Ausschreibungen durch den Senat. Gezielt wolle man Kiezkantinen vor allem dort ansiedeln, wo soziale Angebote bislang zu kurz kommen und viele Rentner:innen und Menschen mit wenig Geld leben.
In einer dritten und letzten Phase sieht das Konzept die Gründung eines landeseigenes Unternehmens vor, in das die Kantinen nach und nach überführt werden sollen. In dem Konzept heißt es dazu, die Gründung eines solchen Betriebs sei ein „längerer Prozess“. Allerdings könne dieser auch „innerhalb einer Legislaturperiode zu bewerkstelligen sein“, heißt es weiter.
„Wir erfinden das Rad überhaupt nicht neu“, betont Eralp dann noch. Das Konzept der sogenannten „Volxküchen“ sei von Feministinnen in der Vergangenheit bereits in die Öffentlichkeit gebracht worden, so Eralp. Als Mutter von zwei Kindern sehe sie in einem solchen Konzept zudem den Vorteil, dass Carearbeit durch Kiezkantinen vergesellschaftet werden könnte.
Voraussetzung für die tatsächliche Umsetzung des Konzept ist, dass die Linkspartei bald Regierungsverantwortung übernimmt. Die Chancen dafür sind aktuellen Wahlumfragen zufolge gut: Die Linke liegt in einer aktuellen Umfrage von Infratest dimap bei rund 18 Prozent, gefolgt von der AfD mit 17. Stimmenmäßig stärkste Kraft ist demnach derzeit die Union mit rund 22 Prozent.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert