Letzte Sendung von „Wetten, dass...?“

Kindergeburtstag des Grauens

Selbst zur letzten „Wetten, dass..?“-Sendung schaffte es das ZDF nicht, eine bessere Show abzuliefern. Unwürdiger hätte das Ende nicht werden können.

Abgang. Bild: dpa

BERLIN taz | „Ich weiß, Sie hängen an dieser Sendung“, sagte Markus Lanz zu Beginn der letzten Episode von „Wetten, dass..?“: „Ich tu es auch.“ Und dann nutzte der Gastgeber die folgenden dreieinhalb Stunden konsequent dazu, auch dem Letzten zu beweisen, dass es sich nicht lohnt, an diesem „Wetten, dass..?“ zu hängen.

Seit im April bekannt gegeben worden war, dass die Show nun enden würde, stricken Lanz, die ZDF-Verantwortlichen und einige mehr oder weniger große Show-Größen an der gleichen Erzählung, die da lautet: Keiner konnte „Wetten, dass..?“ retten, der Zeitgeist habe halt gegen die Sendung gestanden. „Das deutsche Umfeld ist besonders kritisch“, ließ ZDF-Intendant Thomas Bellut noch am Tag nach der letzten Show via Bild am Sonntag verbreiten.

Seid mal zufriedener, Ihr Zuschauer!

Lanz hatte schon im April gesagt, dass „Wetten, dass..?“ offenbar „im Moment wahrscheinlich nicht mehr so richtig“ in die Zeit passe: „Die Zeit ist doch ein bisschen kalt geworden, vielleicht kann man's so sagen.“

Jaja, die Zeit, das Schicksal. Was willste machen? Vielleicht kann man's so sagen. Vielleicht aber auch nicht.

Schlafanzug, Salzstangen, Oma

Auf die Idee, eine bessere Show abzuliefern, kamen jedenfalls weder Lanz noch das ZDF – auch nicht in der letzten Ausgabe. Und so luden sie all diejenigen ein, die man eh schon zu häufig im Fernsehen sieht: Otto Waalkes, Helene Fischer, Katarina Witt, Jan Josef Liefers. Die Fantastischen Vier traten zwei Mal auf. Und alle erzählten nochmal, wie das damals so war, mit „Wetten, dass..?“. Kurze Zusammenfassung: Schlafanzug, Salzstangen, ganze Familie, auch Oma. „Die gute alte Zeit“, sagte Lanz nach zweieinhalb Stunden. „Ich gehör nicht zu denen, die sagen: 'Früher war alles besser'“, antwortete Schauspieler Wotan Wilke Möhring.

Wenn es einen Preis für den falschen Spruch, die falsche Frage zur falschen Zeit geben würde, Lanz stünde Jahr für Jahr auf der Shortlist. Als er den ehemaligen Skirennläufer Hermann Maier zum Tanzen mit ein paar Cheerleadern animieren wollte, sagte Lanz: „Hermann, komm, Du willst es doch auch.“ Als der siebenjährige Paul Hunde daran erkannte, wie sie ihm Leberwurst von der Hand schleckten, sagte Lanz: „Leonardo DiCaprio kann das auch, aber mit Models.“ Und als der bei „Wetten, dass..?“ einst schwer verunglückte Samuel Koch auf die Bühne kam, die Zuschauer klatschten und aufstanden, fiel Lanz der brillante Satz ein: „Menschen stehen auf.“

Kochs Auftritt war aber tatsächlich das Bemerkenswerteste an diesem Abend, nicht weil er so rührselig war, sondern weil er die ganze lanzsche Bräsigkeit offenbarte. Frage: „Wie geht es Dir heute?“ Antwort: „Das hast Du schon mal gefragt, wie es mir geht. Eigentlich ganz okay. Und selber?“

Es ist ärgerlich, wenn der Gast schlagfertiger ist als der Moderator. Aber es gibt Showmaster, die das für die Sendung zu nutzen wissen – und es gibt Lanz. Der macht einfach weiter. Immer weiter.

Bieder und spießig geworden

So hielt es auch das ZDF. Die Entscheidung, Lanz zu verpflichten, sowie die Entscheidung, Lanz trotz unterwältigender Auftritte zu halten, waren Entschlüsse fürs Augen-zu-und-durch. Bis man gegen die Wand lief. Und nun beendet man einfach den ganzen „schönen, verrückten Kindergeburtstag“ (Lanz über „Wetten, dass..?“). Eine Erneuerung der Show hat man sich schlicht nicht getraut.

Dabei wirft ein solcher Abend wie der gestrige mit seinen vielen Rückblicken das Licht auf das, woran „Wetten, dass..?“ wirklich krankte: Es war zu bieder geworden. Wo einst Cher mit zu knapper Bekleidung und nahezu freiem Blick auf ihren Po für ein Skandälchen sorgte, tritt diesmal eine Barbie im Hosenanzug namens Helene Fischer auf – mit Fliege und güldenem Mikrofon. Es gibt wenig, das in den vergangenen 33 Jahren spießiger geworden ist. „Wetten, dass..?“ gehört dazu. Und bei diesem Kindergeburtstag des Grauens dem langweiligsten Schüler die Partyplanung überzuhelfen, war der endgültige Partykiller.

Achso, es gab natürlich auch diesmal wieder Wetten. Die spielten aber eine ebenso unbedeutende Nebenrolle wie in den Sendungen zuvor. Aber, was soll's, dafür durfte Helene Fischer nicht nur singen, sondern auch aufs Sofa und ihre neue Show promoten. Die läuft am ersten Weihnachtstag. Im ZDF.

Unwürdiger hätte das Ende von „Wetten, dass..?“ nicht werden können – aber aufschlussreicher auch nicht. Nun weiß zumindest jeder, warum er es nicht vermissen muss.

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