piwik no script img

Leiter des Helms-Museums geht

■ Nach Kritik an seinem Umgang mit Personal und Öffentlichkeit: Ralf Busch beugt sich öffentlichem Druck

Archäologen denken in langen Zeiträumen, aber manchmal sind schnelle Entscheidungen gefragt: Ab nächsten Mittwoch übernimmt der Leiter des Denkmalschutzamtes, Professor Eckart Hannmann kommissarisch das Harburger Helms-Museum, bis ein neuer Direktor gefunden ist. Denn nach teils heftigen Anwürfen aus der Hamburger Presse hat der seit 1987 amtierende Direktor des Helms-Museums, Professor Ralf Busch, zum Monatsende seinen Rücktritt erklärt.

Dem Leiter des Hamburgischen Museums für Archäologie und die Geschichte Harburgs wurde besonders seit der Umwandlung der staatlichen Museen zu selbstständigen Stiftungen vorgeworfen, im Umgang mit Personal und Öffentlichkeit nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Dabei hat der international anerkannte Archäologe stets hochinteressante Themen bearbeitet. Immer wieder holte er Dokumentationen über Ausgrabungen im vorderen Orient nach Hamburg, so 1992 „Arad, eine 5000 Jahre alte Stadt in der Wüste Negev“ oder 1998 „Tall Mumbaqa. Bronzezeit in Syrien“ und gerade aktuell: „Meggido Armageddon“.

Doch was anderswo zu Publikumsmagneten wurde, interessierte in der oft unattraktiven Harburger Präsentation kaum jemanden: Im letzten Jahr kamen nur 40.000 Besucher, davon allein 20.000 in die Außenstelle „Bischofsturm“ neben der St. Petri-Kirche. Zudem wurden die Kommunikationsprob -leme innerhalb des Museums immer gravierender, und die archäologische Dauerausstellung blieb letztens gar monatelang geschlossen. In Zukunft wird sich Professor Busch, der Beamter der Kulturbehörde bleibt, im Denkmalschutzamt um die Mittelalterarchäologie kümmern.

Der Rücktritt zeigt, dass gute Fachwissenschaftler im heutigen, eher auf Freizeit als Bildung ausgelegten Museumsbetrieb nicht unbedingt gute Manager sind. Zu fragen bleibt, inwieweit die Kulturbehörde versäumt hat, ihre auch nach der Verselbstständigung noch bestehende Verantwortung für die Museen wahrzunehmen. Die Defizite beim Helms-Museum waren schon lange bekannt. Und auch der millionenschwere Umbau des Haupthauses vor einigen Jahren hat die Situation für Sonderausstellungen in keiner Weise verbessert. So werden die speziellen Strukturen in Harburg vielen auf der nördlichen Elbseite wohl ein Rätsel bleiben.

Hajo Schiff

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen