Landesschülerrat über Schülerimpfungen: „Wir wollen ein normales Schuljahr“

Der Landesschülerrat Berlin fordert für den Schulstart einen nachjustierten Stufenplan. Dafür gehören aus seiner Sicht auch Impfteams auf dem Schulhof.

In einem Klassenraum sitzt ein Schüler mit medizinischer Maske der von einer Frau geimpft wird.

So könnte es aussehen, wenn an Berliner Schulen mobile Impfteams unterwegs sind Foto: Helmut Fricke/ dpa

taz: Herr Franzen, im Landesschülerrat forderten Sie zuletzt mit dem Start des neuen Schuljahres Impfteams vor Ort. Warum?

Rufus Franzen: Uns ist wichtig, dass die Schüler:innen, die impfwillig sind und sagen, sie wollen den zusätzlichen Schutz für sich haben und glauben dass der sinnvoll ist, diesen auch so schnell wie möglich bekommen. Deshalb glauben wir, dass Impfteams an den Schulen dazu beitragen, dass wir möglichst schnell, am besten noch im Sommer geimpft werden. Damit wir, sollte es noch mal zu einem Anstieg der Infektionszahlen kommen, im Herbst, wirklich sicher in den Unterricht gehen können. Die Sorge der Schü­le­r:in­nen ist ja noch da, auch wenn die Gefahr, sich mit Corona in der Schule anzustecken, deutlich geringer geworden ist.

Also gibt es eine große Impfbereitschaft unter Schü­le­r:in­nen?

Wir glauben, dass es relativ viele Schü­le­r:in­nen gibt, die sich gerne impfen lassen wollen. Generell ist die Entscheidung, ob man geimpft werden möchte oder nicht, eine persönliche, die man selbst in Rücksprache mit seinen Eltern und unter Einbezug der Impfempfehlung der Stiko treffen sollte.

Welche Bilanz können Sie zum vergangenen Schuljahr ziehen?

Gerade das zweite Halbjahr hat ja viel zu Hause stattgefunden. Ich glaube, es war für viele Schü­le­r:in­nen sehr hart. Es war besser als im ersten Lockdown, aber die Zeit war deutlich länger. Der Unterricht ist besser geworden, Lernplattformen wurden besser genutzt, auch der Lernraum hat sich zum Ende des Lockdowns wirklich gut eingespielt. Was leider gar nicht besser geworden ist, sind soziale Kontakte und da irgendwie ein gutes Angebot zu haben. Es hat an vielen Stellen an Angebotsmöglichkeiten für Schü­le­r:in­nen gefehlt, denen es nicht gut ging zu Hause. Genauso hat es generell an sozialen Aktivitäten gefehlt. Viele Schü­le­r:in­nen saßen zu Hause und hatten zwei, drei Videokonferenzen am Tag und waren ansonsten auf sich allein gestellt.

Also ist die Stimmung bei den meisten Schü­le­r:in­nen abgesackt während des Homeschoolings?

Rufus Franzen

ist Pressesprecher des Landesschülerausschusses. Er kommt in die 12. Klasse und ist damit im Abschlussjahrgang des Beethoven-Gymnasiums.

Wir haben während des Lockdowns Umfragen durchgeführt, die keinesfalls repräsentativ waren, aber wo doch 1.000 Schü­le­r:in­nen teilgenommen haben. Nur wenige haben gesagt, dass es ihnen wirklich gut ging. Ich glaube, ein großer Teil ist ganz gut durchgekommen und wird keine großen Schäden davontragen. Dennoch gibt es einige, die mit der Doppelbelastung zu Hause nicht klarkamen. Dabei war es einfach schwierig und ungewohnt, kein getrenntes Lern- und Privatumfeld zu haben. Vielen hat der Arbeitsplatz gefehlt und die dazugehörige Hardware. Der Senat hat in erster Linie Tablets angeschafft und diese im großen Rahmen an bedürftige Schü­le­r:in­nen ausgegeben. Nur leider kamen diese mit dem Ende des Schuljahres viel zu spät.

Was erhoffen Sie sich vom Präsenzunterricht?

Wir haben zwei Ziele: Wir brauchen eine verlässliche Planung. Deswegen ist für uns der Stufenplan das A und O, dass da wirklich nachjustiert wird. Zum anderen finden wir wichtig, dass an den Schulen evaluiert wird, wie der Lockdown lief, weil das oft auf Berliner Ebene gemacht wurde und nicht schulspezifisch und da die Probleme doch ganz unterschiedlich sind. Generell ist uns wichtig, dass wir als Schü­le­r:in­nen wieder stärker in den Vordergrund rücken, denn wir haben gemerkt, dass Schülerbeteiligung von vielen im Lockdown als schwerfällig und anstrengend empfunden wurde.

Was erhoffen Sie sich denn vom kommenden Schulstart?

Wir hoffen alle, dass wir wieder in ein normales Schuljahr starten, in ein Schuljahr, das ein bisschen so ist wie vor Corona. Vor allem auch in ein Schuljahr, dass man wieder mit seinen Klas­sen­ka­me­ra­d:in­nen zusammen verbringt. Ansonsten wünschen wir uns alle, dass wir in eine sichere Unterrichtsumgebung starten. Als Landesschülerausschuss glauben wir, dass gerade die Testpflicht am wichtigsten ist und uns viel ermöglicht hat. Das zweimalige Testen in der Woche ist mit der wichtigste Schritt zur Schuleröffnung. Der Stufenplan ist dafür ein wichtiges Mittel, das aber noch mal nachjustiert werden sollte.

Wie denn genau?

Hygienekonzept Mit dem Beginn des neuen Schuljahres am 9. August soll vollständig zum Präsenzunterricht zurückgekehrt werden. Das Hygienekonzept beinhaltet regelmäßiges Testen: Für Schüler:innen dreimal und für pädagogisches Personal zweimal pro Woche. Außerdem gilt das Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung in geschlossenen Räumen. Berlins Bildungssenatorin hatte Anfang der Woche angekündigt, 3.000 Luftfilter anzuschaffen, damit wären die Hälfte der Klassenräume ausgestattet.

Stufenplan Zur Orientierung, wann welche Maßnahmen an den Schulen ergriffen werden, dient der Stufenplan. Dabei wird zwischen Mund-Nasen-Schutz, Abstand und Kohorten unterschieden. Abhängig vom Infektionsgeschehen an den einzelnen Schulen entscheidet das bezirkliche Gesundheitsamt mit der regionalen Schulaufsicht jeden Donnerstag über die Maßnahmen. (svej)

Vor allem in Bezug auf Masken, Tests und Lüftungsgeräte. Konkret geht es darum, dass der Stufenplan ein Jahr alt ist. Damals hatten wir kaum Lüftungsgeräte, keine Tests und keine Impfungen. Jetzt ist die Ausgangslage eine ganz andere und die Schutzmaßnahmen sind nicht mehr nur auf AHA+L begrenzt. Es müssen also neue Richtwerte festgelegt werden, ab denen keine Maske getragen werden muss und ab denen die Häufigkeit der Tests in der Schule dem Infektionsgeschehen und den anderen Maßnahmen entsprechend festgelegt wird. Tests, Lüftungsgeräte und auch Impfungen sollten schließlich eine Erleichterung anderer (und auch belastenderer) Hygienemaßnahmen ermöglichen.

Kann aus der Coronazeit auch was bleiben?

Aus Corona kann man zum einen generell mitnehmen, dass es sinnvoll ist, die Digitalisierung auszubauen und wir vor allem dazu Visionen brauchen. Zum anderen haben wir gemerkt, dass Schule so viel mehr ist als eine Bildungsinstitution. Wir sehen jetzt noch mal deutlich, dass es in der Schule auch darum geht, Freundschaften für das Leben zu knüpfen und auch Sozialkompetenzen zu schulen und dass wir darauf öfter den Fokus legen sollten.

Wie kann denn der Fokus zukünftig mehr auf Sozialkompetenzen gelegt werden?

Uns als Landesschülerausschuss ist es wichtig, dass wir noch mal das Augenmerk auf Klassen- und Kursfahrten richten und dass diese gefördert werden. Denn das hat vielen gefehlt, dass wirklich Klassengemeinschaften entstehen, die besonders in den 8. Klassen gar nicht entstanden sind, weil es nur ein halbes Jahr gemeinsamen Unterricht gab.

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