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LIBYEN WILL IM KONFLIKT MIT DEN TALIBAN VERMITTELNGaddafis durchsichtiges Spiel

Was tut man nicht alles, um die eigene Vergangenheit vergessen zu machen. Eine Woche vor Verkündung des Urteils im Berliner La-Belle-Prozess reist Muammar al-Gaddafis Sohn nach Berlin und bietet Libyen als Vermittler im Konflikt mit den Taliban an. Die hätten sich an den „Volksmassenstaat“ gewandt und um eine Lösung der Affäre um die in Kabul inhaftierten Shelter-Now-Mitarbeiter gebeten. Diese Behauptung ist so offensichtlich frei erfunden, dass man trotz des Ernstes der Situation schallend lachen mag. Schließlich geht Gaddafis Einfluss auf die Taliban gegen Null. Anders als im Fall der philippinischen Abu Sayyaf, von denen Libyen vor einem Jahr eine Gruppe von Touristen – darunter die Göttinger Familie Wallert – frei kaufte, hat Libyen keine historischen Kontakte zu den afghanischen „Koranschülern“. Im Gegenteil: Bisher galten die einst mit Hilfe der USA aufgebauten Krieger den nicht gerade amerikafreundlichen Libyern als Kreaturen des Feindes.

Umgekehrt dürften Gaddafi und Co. auf der Beliebtheitsskala in Kabul im Negativbereich rangieren. Schließlich hat sich der „Bruder Revolutionsführer“ im eigenen Land der gnadenlosen Ausrottung aller – weil ihm gefährlichen – islamistischen Umtriebe verschrieben. Der eigentliche Sinn der Reise des Gaddafi-Sohns erschließt sich aus dessen Äußerung, die Visite stehe im Rahmen der Kontakte zur Konsolidierung der internationalen Koalition gegen den Terrorismus. Anders gesagt: Gaddafi sucht den Weg auf die „richtige Seite“. Der einstige Terrorstaat arbeitet an seiner Metamorphose zum angesehenen Mitglied der Weltgemeinschaft.

Das Berliner Landgericht wird dieses Unterfangen sehr wahrscheinlich mit einer klaren Schuldzuweisung an den libyschen Geheimdienst in Sachen La Belle blockieren – ähnlich wie das schottische Gericht im niederländischen Camp Zeist im Fall Lockerbie. Und hoffentlich durchschaut auch die Bundesregierung Gaddafis billigen Trick. Denn sollte Gaddafis Inszenierung erfolgreich sein und Nachahmer finden, dann besteht die internationale Antiterrorallianz bald zu einem guten Teil aus Terroristen. THOMAS DREGER

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