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Kunst aus dem Kofferraum

■ (Titel, Thesen, Temperamente, ARD, So 22.05 Uhr)

Es war schon einigermaßen ungewöhnlich, in der oben benannten Kultursendung am Sonntag abend aktuell das wiederzufinden, was man selbst gerade erst erlebt hatte, den Bericht über die zwölfstündige Ausstellung PARKZEIT -KUNSTZEIT im Parkhaus des Westberliner KaDeWes.

Sieht man einmal davon ab, daß dieser Filmbericht auch nur ausschnittweise zeigen konnte, was an Kunst dort auf zwei Parkdecks angeboten wurde, und verliebt den Schwerpunkt auf den fernsehwirksamen Auftritt des hervorragenden Theatre Danse Grotesque legte, während die Stillen im Parkhaus gänzlich unbeachtet blieben wie das Draumer Practicalblatt von Eduard Geppert, das Zelt, in das jeweils nur eine Person eintreten durfte, um von Joachim Jung, Ziggy Schöning und Ulrich Sackenreuter zweieinhalb Minuten lang Zeit der verlorenen Sehnsüchte kennenzulernen, um nur zwei Beispiele von fünfzig anderen zu erwähnen.

Wichtiger als die Beurteilung einzelner Arbeiten wäre sicher gewesen, die beiden Organisatorinnen der Veranstaltungen Chrys Hamer und Brigitte Nehter Zeit zu geben, über die Bedingungen zu erzählen.

Dann hätten die Kunstbetrachter möglicherweise erfahren, daß die beiden circa vier Monate unbezahlte Arbeit in das Projekt gesteckt haben, daß Anträge auf Förderung E88-mäßig beim Kultursenator abgelehnt wurden, daß Anträge auf Lottogelder abschlägig entschieden wurden, daß die Sponsoren, von denen sich die beiden so viel erhofft hatten, ausgeblieben sind bis auf drei Ausnahmen, Philip Morris mit 10.000 Mark, das Hifi-Stereo-Center J. Anhut, Berlin, das kostenlos die teilweise aufwendigen elektrischen Leitungen verlegte und die Kao Corp. Berlin.

Wichtig wäre auch gewesen, was für Zeit (halbes Jahr), Geld (1045 Mark) und Nerven es kostet, dieses Parkhaus für nur einen Tag als Versammlungsstätte vom Ordnungsamt genehmigen zu lassen.

Herr Dickmann vom Hessischen Rundfunk, Autor der Sendung, meinte zu diesem Sachverhalt, er habe sehr wohl die Organisatorinnen zu Wort kommen lassen, aber nachdem der Beitrag von Berlin nach Frankfurt übertragen worden sei, habe die Redaktion kürzen müssen und diesen entscheidenden Passus herausgenommen, was die Akzente verschoben hätte. Aber, so gelobte er, das Magazin TTT werde in Zukunft weiter probieren, aktuelle „Machergesichte“ auf den Bildschirm zu bringen, was dieses Mal noch in die Hose gegangen ist.

So bleibt für alle, die nicht selbst im Parkhaus Zeit und Muße hatten, sich schlendernd den Objekten ohne Berührungsängste zu nähern, der schnell vergängliche Eindruck von einer lebendigen, „alternativen“ Berliner Kunstszene, die innovativ Räume entdeckt und in Besitz nimmt, ohne deren institutionelles Scheitern zu erklären, weil in Berlin wie anderswo ohne bekannte Namen keiner eine Chance hat; die ab und zu die ein oder andere trotzdem mittels Selbst- und Künstlerausbeutung wahrnimmt.

Qpferdach

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