Krimiserie „Scarpetta“ mit Nicole Kidman: Autopsie der Vergangenheit
Verbrechen, Familiendramen, Arbeitshierarchien und eine starke Ermittlerin – „Scarpetta“ kann mehr als die üblichen Forensikerserien.
Krimiserien über Gerichtsmediziner gibt es in Hülle und Fülle. Von „Crossing Jordan“ über „Body of Proof“ bis zum öffentlich-rechtlichen „Thüringenkrimi“ über die Jenaer Forensikerin Mala Murphy. Dazu kommen noch CSI-Serien, diverse True-Crime-Doku-Formate und nicht zuletzt Jan Josef Liefers als legendärer Tatort-Forensiker. Tut da noch eine weitere Gerichtsmedizinserie wirklich Not?
Eigentlich kaum, aber Amazon Prime wartet nun mit der wirklich sehenswerten und starbesetzten Serie „Scarpetta“ auf, in der Nicole Kidman die Titelrolle der selbstbewussten Gerichtsmedizinerin aus Virginia spielt. Der Achtteiler basiert auf den seit 1990 insgesamt 29 erschienenen Scarpetta-Romanen von Patricia Cornwell, die zu jenen Taschenbuchkrimis gehören, die gerne in Ferienwohnungen zurückgelassen werden.
Aber die Amazon-Serie kann sich wirklich sehen lassen und ist mehr als nur irgendeine weitere Forensiker-Krimiserie. Denn neben Spannung und Verbrechen geht es hier auch um Beziehungsstreit, Familiendramen, die Rolle von KI und eine Agentengeschichte. Irgendwann fällt sogar ein bioenergetisches Labor aus der Erdumlaufbahn auf das Feld eines verdutzten Bauern.
Als Rahmenhandlung dient die Suche nach einem Serienkiller. Kay Scarpetta ist ihm auf der Spur und stellt plötzlich fest, dass es sich um den gleichen Täter handeln könnte, der schon vor knapp 30 Jahren zu Beginn ihrer Karriere mordete. Hat sie damals den falschen Mann überführt? In zwei großartig miteinander verknüpften Handlungssträngen (1998 und 2026) werden die verschiedenen Kriminalfälle aufgerollt.
„Scarpetta“
auf Amazon Prime ab 11.3.
Serie lebt von hervorragenden Schauspielern
Die Serie springt immer wieder von einer Zeitebene in die andere. Rosy McEwen muss sich als junge Scarpetta Ende der 90er gegen latenten Sexismus am Arbeitsplatz wehren und ermittelt zusammen mit ihrem Partner Pete Marino (Jake Cannavale), der später ihre überdrehte Schwester Dorothy (Jamie Lee Curtis) heiratet. Die Serie erzählt wundervoll, wie aus den Kollegen plötzlich streitende Familienmitglieder werden. Kay kümmert sich außerdem um Lucy (Ariana de Bose), die Tochter ihrer Schwester. Denn die fährt lieber nach Hawaii und feiert Party, wenn sie nicht gerade als Kinderbuchbestsellerin in den Medien herumgereicht wird.
Lucy wird zu einer Art Computer-Wunderkind und kreiert nach dem Tod ihrer Ehefrau Janet (Janet Montgomery) eine KI, mit der sie sich zum Missfallen ihrer Mutter via Bildschirm täglich unterhält und die fester Bestandteil dieser durchgeknallten, ständig miteinander im Streit liegenden Familie wird.
Die Krimigeschichte in „Scarpetta“ ist vielschichtig, wird mit fortlaufender Handlung immer komplizierter und erst im Lauf der Zeit werden offene Fragen und Rätsel aus der Vergangenheit gelöst. Auch wenn der Serie ein Krimibestseller zugrunde liegt, ist „Scarpetta“ keine eindimensionale Crime-Story von der Stange wie der Großteil der Forensiker-Serien.
Der Achtteiler erzählt neben der spannungsgeladenen Krimigeschichte auch von Karriere, Arbeitshierarchien, familiären Traumata, polizeilichem Fehlverhalten und seelischen Abgründen. Die Serie in kinotauglichen Bildern lebt dabei auch vor allem von den großartigen Schauspielern. Da das bis zur letzten Szene spannend bleibt und mit einem Cliffhanger endet, dürfte eine Fortsetzung wahrscheinlich sein.
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