Krimi „Blue Steel“ von 1990: Mehr Realität als „Tatort“

Es gibt mehr Filme, in denen Männer mit Hund ermitteln, als Copfilme, in denen Frauen die Hauptfigur sind. „Blue Steel“ zeigt, wie es besser geht.

Jamie-Lee-Curtis hat kurze braune Haare und schießt mit einem Revoler

Hat sich schon in „Halloween“ zur Wehr gesetzt, weiter gehts in „Blue Steel“ Foto: ZDF

Googeln Sie mal „Cop-Filme 1980er“. Fällt Ihnen was auf? Es ist die Dekade von „Stirb Langsam“, „Lethal Weapon“, „Red Heat“, „Tango und Cash“, „Scott & Huutsch“, „Running Man“. Auf fast allen Filmplakaten prominent in Szene gesetzt: eine Waffe. Und: alles Männerfilme, also von und über Männer. Präziser: Es gibt mehr Filme, in denen Männer mit Hund ermitteln, als Copfilme, in denen Frauen die Hauptfigur sind.

Dann kam 1990. Und damit „Blue Steel“, Drehbuch und Regie von Kathryn Bigelow – mit Jamie Lee Curtis als Polizistin Megan Turner. Eine bemerkenswerte Kombi, nicht nur weil’s der größtmögliche Kontrast zu Lee Curtis’ Film direkt davor ist, und zwar „Ein Fisch namens Wanda“. Auch weil es Bigelows erst dritter Langfilm war. 20 Jahre, bevor sie für „The Hurt Locker“ einen Regie-Oscar gewinnen sollte, als erste und bisher einzige Frau überhaupt.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk, im praktischen Wochenendabo und rund um die Uhr bei Facebook und Twitter.

In „Blue Steel“ nun inszeniert sie die Smith & Wesson von den ersten Sekunden an – in der Hand von Turner, ganz frisch im Polizeidienst. Gleich an ihrem ersten Tag im Dienst jedoch passiert’s, ein Supermarktüberfall, der Täter richtet seine Waffe auf sie, sie schießt – er ist tot. Nur blöd, dass seine Pistole nirgends zu finden ist. Die Folge: Turner wird suspendiert. Ihr glaubt keiner. Mehr noch, die Story, die um sie gestrickt wird, ist: Sie, die Frau, überreagiert halt. Dass sie das Ganze dann doch löst am Ende, klar, geschenkt.

Vor allem aber ist das „Blue Steel“, also der klassische Polizeirevolver, in ihrer Hand immer ein Moment der Selbstermächtigung. Im positiven Sinne: um sich wehren zu können. Etwa gegen die häusliche Gewalt, mit der sie aufgewachsen ist, den Brutalo-Vater, der nach wie vor seine Frau verprügelt. Oder gegen den Psychopathen, der mit der gemopsten Tatwaffe des anderen Typs Serienmorde begeht – und Turner stalkt. Mit all jenen Facetten bildet dieses 30 Jahre alte Ding genauer gesellschaftliche Realität ab als alle „Tatorte“ der letzten Monate zusammen.

„Blue Steel“, Mo., 1 Uhr (in der Nacht von So. auf Mo.), ZDFneo

Bigelow nimmt hier vorweg, was mit Jodie Fosters Erfolg als FBI-Agentin Clarice Starling in „Schweigen der Lämmer“ ein Jahr später ein neues Level an „normal“ erreicht. Eine weibliche Cop-Figur im Zentrum, bei der darüber hinaus der Sex-Appeal eben nicht im Zentrum steht. Turner in sackiger Uniform ist halt einfach: eine Cop in sackiger Uniform.

Auch heute offenbar crazy unnormal. Siehe die satirische Mockumentaryserie „How to Tatort“ über das neue Bremer „Tatort“-Team in der ARD-Mediathek.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben