Krieg in Syrien

Kämpfe an der Grenze zum Libanon

Mit einer Offensive wollen das Assad-Regime und die Hisbollah die letzte Bastion von Aufständischen in der Region erobern.

Baschar al-Assad und Staffan de Mistura.

Für Baschar al-Assad (r.) ist Zabadani auch deshalb wichtig, weil die Stadt nahe der zentralen Nord-Süd-Autobahn liegt. Foto: dpa

BEIRUT taz | Das syrische Staatsfernsehen und der Parteisender der libanesischen Hisbollah-Miliz Al-Manar senden seit dem Wochenende die immer gleichen Bilder: Rauchwolken über der syrischen Stadt Zabadani nahe der Grenze zum Libanon. In den Hauptnachrichten heißt es: „Die Offensive hält weiter an. Bereits Dutzende Terroristen wurden getötet oder verwundert.“

Beide Fernsehsender dokumentieren jeden noch so minimalen Vorstoß im Kampf um die syrische Kleinstadt. Mit dem Sieg über die Rebellen in Zabadani, der sich bereits durch die Wucht des Angriffs abzeichnet, wäre die syrische Kalamun-Region vollständig unter der Kontrolle des Assad-Regimes und der Hisbollah.

Der Kampf um Kalamon wütet seit 2012. Damals fiel die Region in die Hände der Freien Syrischen Armee und der inzwischen mit al-Qaida verbündeten Nusra-Front. Über die Grenze mit dem Libanon verlaufen strategisch wichtige Versorgungsrouten nach Kalamun – auch für Waffen. Für das Assad-Regime ist die Gegend zudem wichtig, weil sie nahe der zentralen Nord-Süd-Autobahn liegt.

Der Grenzschmuggel gilt als ein hoher Risikofaktor für den Libanon, denn auch Sprengstoff und Attentäter sollen so in das Land gekommen sein. 2013 erschütterte eine Serie von Bombenanschlägen vor allem schiitische Gebiete im Libanon. Mit dem Argument, den aufflammenden Terrorismus an seiner Wurzeln bekämpfen zu müssen, rechtfertigte die Hisbollah-Miliz den Einmarsch in Syrien.

Nicht nur die Angst vor Anschlägen bewegte die schiitische Miliz zur militärischen Unterstützung des Regimes in Damaskus: „In den letzten Jahren wurde klar, dass dieser Teil Syriens äußerst wichtig für die Hisbollah, das Assad-Regime und den Iran sowie für die Beziehung zwischen den drei Parteien ist“, sagt der Politikwissenschaftler und Publizist Rami Khouri. „Es war nicht weiter überraschend, dass die Verbündeten die Kämpfe in Kalamun begannen.“ Laut der libanesischen Zeitung Daily Star benutzte Hisbollah die Routen über Kalamun in der Vergangenheit auch für Waffennachschub aus dem Iran.

Der Alleingang der Hisbollah ist im Libanon umstritten. Oppositionspolitiker fordern deren Entwaffnung und den Rückzug der Miliz aus Syrien. Doch bereits seit ihrer Gründung während des libanesischen Bürgerkriegs (1975–1990) handelt die Hisbollah weitgehend autonom. Ihr Eingreifen in Kalamun und anderen Regionen hat auch Befürworter, denn die Terrorgefahr aus Syrien scheint real: Im Sommer 2014 entführten die Nusra-Front und der Islamische Staat (IS) über 30 libanesische Sicherheitskräfte in der Grenzstadt Arsal. Vier von ihnen wurden hingerichtet, der Rest befindet sich noch in der Gewalt der radikal-islamistischen Gruppen.

Mit Zabadani würde Hisbollah einen Großteil der Grenze im Ostlibanon kontrollieren. Die Stadt liegt acht Kilometer vom libanesischen Masnaa-Grenzübergang und knapp 45 Kilometer von Damaskus entfernt und wurde lange von der Nusra-Front kontrolliert; an den jetzigen Kämpfen beteiligt sich auch die islamistische Gruppe Ahrar al-Sham. Doch auch mit der Einnahme von Kalamun sei die Gefahr für den Libanon nicht gebannt, meint Khouri: „Die gesamte Grenzregion des Libanons zu Syrien ist ein Pulverfass. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob radikal-islamistische Gruppen nicht versuchen werden, an anderer Stelle auf libanesisches Territorium vorzudringen.“Meinung und Diskussion SEITE 11

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