Krieg in Äthiopien: Afrika will vermitteln

Eine AU-Troika soll in Äthiopien Gespräche zur Lösung des Tigray-Konflikts führen. Tigray weist äthiopisches Ultimatum zurück.

Flüchtlinge aus Tigray rennen zu einem Transitzentrum in Sudan

Flüchtlinge aus Tigray rennen zu einem Transitzentrum im Ost-Sudan Foto: Nariman El-Mofty/ap

BERLIN taz | Afrikanische Diplomaten suchen nach einer Möglichkeit zur Mediation zwischen den Konfliktparteien in Äthiopien, um die drohende Schlacht um Mekelle, Hauptstadt der zwischen Zentral- und Regionalregierung umkämpften Region Tigray, noch abzuwenden.

Äthiopiens Militärsprecher Dejene Tsegaye hatte in einer am Samstagabend getätigten und am Sonntagmorgen verbreiteten Warnung die 500.000 Einwohner von Mekelle aufgefordert, sich von der als Junta bezeichneten Tigray-Regionalregierung zu lösen, und hinzugefügt: „Danach wird es keine Gnade geben“, sowie: „Bis jetzt (…) zielte unser Kampf spezifisch auf die Junta. Aber in Mekelle ist es möglich, dass es nicht mehr so ist.“

Ministerpräsident Abiy Ahmed hatte am Sonntagabend präzisiert, er gebe der in Tigray regierenden TPLF (Tigray-Volksbefreiungsfront) eine Frist von 72 Stunden, die Waffen zu strecken. „Der Pfad zu eurer Zerstörung nähert sich seinem Ende“, hatte er geschrieben: „Nutzt diese letzte Chance.“

TPLF-Führer Debretsion Gebremichael wies das Ultimatum am Montag zurück: „Wir sind bereit zu sterben“, erklärte er.

Äthiopiens Präsidentin war in Südafrika

Die Afrikanische Union (AU), deren Sitz sich in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba befindet, will mit einer Troika von Vermittlern „die Bedingungen für einen inklusiven nationalen Dialog“ in Äthiopien ausloten, wie Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa, gegenwärtiger AU-Vorsitzender, erklärte.

Drei ehemalige Staatschefs hat er im Anschluss an ein Gespräch mit seiner äthiopischen Amtskollegin Sahle-Work Zewde bennannt, die ihn am vergangenen Freitag in Südafrika besuchte: Kgalema Motlanthe aus Südafrika, Joaquim Chissano aus Mosambik und Ellen Johnson-Sirleaf aus Liberia.

Laut Ramaphosa hat Äthiopiens Präsidentin ihm „die historischen Ursprünge des aktuellen Konflikts erklärt und die Notwendigkeit für die AU erläutert, Äthiopien bei der Suche nach einer Lösung zu helfen“.

Damit wäre ihr Besuch in Südafrika das erste Mal gewesen, dass Äthiopiens Regierung in ihrem am 4. November erklärten Krieg zur Wiederherstellung ihrer Autorität in der Region Tigray Gesprächsbereitschaft unter Hinzuziehung auswärtiger Vermittler signalisiert.

Kirchen fordern Vermittlung

Von amtlicher Seite in Addis Abeba wird mittlerweile dementiert, dass die AU-Troika vermitteln soll. Abiy Ahmed werde die drei Expräsidenten „einzeln“ empfangen, stellte das als Regierungssprachrohr fungierende Informationsbüro „Ethiopia State of Emergeny Fact Check“ klar.

Trotzdem ist jetzt aber nicht mehr ausgeschlossen, dass eine politische Lösung des Tigray-Konflikts in Sicht rückt. Entsprechende Aufrufe kommen von der Tigray-Diaspora weltweit, von den orthodoxen und katholischen Kirchen Eritreas sowie von den Vereinten Nationen, deren Generalsekretär António Guterres der AU-Initiative „volle Unterstützung“ zugesichert hat.

Derweil gehen die Kampfhandlungen weiter. In der Nacht zu Montag wurde der Flughafen von Bahir Dar, Hauptstadt von Tigrays südlicher Nachbarregion Amhara, zum dritten Mal von Raketen aus Tigray getroffen.

Äthiopische Truppen, die auf Mekelle vorrücken, stehen derweil nach eigenen Angaben nur noch 50 Kilometer von der tigrayischen Hauptstadt entfernt.

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