Krieg gegen die Ukraine: Russland greift Kyjiw mit Raketen und Drohnen an
Bei nächtlichen Attacken auf die Hauptstadtregion sterben vier Menschen, 15 werden verletzt. Ziel waren auch Energieanlagen und Bahnstrecken, es kommt zu Stromausfällen.
Wieder einmal waren die einschlägigen Telegram-Kanäle schneller als die offizielle Smartphone-App der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw „Kyjiw zivrovij“, die um 3.07 Uhr morgens Alarm geschlagen hatte. Um 3.06 Uhr hatte der Telegram-Kanal der ukrainischen Luftwaffe bereits den Anflug ballistischer Raketen gemeldet. Und wenige Minuten später heulten die Sirenen in der Nacht. Und dann folgten die Einschläge. Schlag auf Schlag. Ungefähr fünfmal, schien es.
Wieder einmal hat Russland vor allem die Region um Kyjiw massiv mit Raketen und Drohnen angegriffen. Nach offiziellen Angaben kamen dabei vier Menschen ums Leben, weitere 15 wurden verletzt.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe startete Russland insgesamt 68 Raketen und 430 Angriffsdrohnen. Ein Großteil davon konnte abgefangen werden. Dies berichtet die ukrainische Luftwaffe. So seien eine von zwei Hyperschallraketen, sieben von 13 ballistischen Raketen Iskander-Mund und alle 49 abgefeuerten Marschflugkörper abgeschossen worden. 402 von 430 Angriffsdrohnen seien abgefangen oder elektronisch gestört worden.
Trotz der Abwehr registrierten die Behörden Einschläge von sechs Raketen und 28 Drohnen an insgesamt elf Orten.
Im Gebiet Kyjiw wurden nach ersten Angaben vier Menschen getötet und zehn weitere verletzt. Videos und Fotos zeigen Brände und schwere Schäden an Gebäuden.
Eine Woche lang hatte man in der Hauptstadt fast ununterbrochen Strom. Doch damit scheint es erst mal vorbei zu sein. Wieder rattern die Generatoren vor den Geschäften. Seit mehreren Stunden schon sind Haushalte von Kyjiw ohne Elektrizität.
Nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums richteten sich die Angriffe vor allem gegen Energieanlagen in Kyjiw und Umgebung. Aber auch in anderen Regionen kam es zu Stromausfällen. Betroffen waren unter anderem die Gebiete Saporischschja, Dnipropetrowsk, Cherkasy und Kirovohrad.
Nach Angaben von Vizepremier Oleksiy Kuleba trafen russische Angriffe außerdem die Eisenbahninfrastruktur der Ukraine. Wegen Stromausfällen im Oberleitungsnetz musste der regionale Zugverkehr in Teilen von Kyjiw vorübergehend eingestellt werden. Zudem machten Bilder von ausgebrannten Waggons die Runde im ukrainischen Internet.
In der Kharkiv Oblast schlug eine Drohne in einen Vorortzug ein. Der Lokomotivführer und sein Assistent wurden durch Splitter verletzt, Passagiere blieben unverletzt. Beschädigt wurde eine Diesellok, die wegen eines Stromausfalls im Oberleitungsnetz eingesetzt wurde.
Bereits in der Nacht zuvor hatte ein Drohnenangriff eine Bahnstation im Kryvyi Rih Raion getroffen und ebenfalls eine Lokomotive beschädigt. Trotz der Angriffe setzt die staatliche Bahn Ukrzaliznytsia nach eigenen Angaben den Zugverkehr fort.
Unterdessen wurde bekannt, dass das russische Außenministerium die Botschafter Großbritanniens und Frankreichs einbestellt hat. Hintergrund ist ein Raketenangriff der ukrainischen Streitkräfte auf die russische Stadt Brjansk, bei dem nach Angaben aus Moskau sieben Menschen getötet und mehr als 40 weitere verletzt wurden.
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