Konflikt um Kaschmir

Angespannte Ruhe zum Opferfest

Auch am höchsten islamischen Festtag sind die Straßen in Kaschmir größtenteils leer geblieben. Die Spannung ist spürbar

Ein Mann läuft an Soldaten vorbei

Für das Freitagsgebet wurde die Ausgangssperre zeitweise gelockert Foto: ap

NEU DELHI ap | Über dem indisch verwalteten Teil von Kaschmir lag am Montag eine unbehagliche Ruhe. Der Großteil der Kommunikation über das Internet war am achten Tag in Folge abgeschnitten, während die Menschen der überwiegend muslimischen Region das wichtigste Fest des Islams feierten, Eid al-Adha, das Opferfest, welches am Sonntag begann.

Medien berichteten von verlassenen Straßen. Behörden erlaubten keine größeren Zusammenkünfte, um indienkritische Proteste zu verhindern. Die Regierung in Neu-Delhi hatte vor einer Woche entschieden, den Sonderstatus des Bundesstaates Jammu und Kaschmirs aufzuheben, die Region zu teilen, der Zentralregierung zu unterstellen und eine unbegrenzte Ausgangssperre zu verhängen.

Die Polizei in Kaschmir twitterte, das Eid-Fest „endete friedlich in verschiedenen Teilen des (Kaschmir-)Tals. So weit kein bedauerlicher Vorfall.“ Es war zunächst nicht möglich, die Aussage unabhängig zu überprüfen. Indiens Außenministerium teilte Fotos von Menschen beim Moscheebesuch, ein Sprecher konnte jedoch nicht angeben, wo die Fotos genau aufgenommen wurden.

Shahid Choudhary, ein Mitarbeiter der Regierung in der größten Stadt der Region Srinagar, twitterte am späten Sonntagabend, er habe sich mit Religionsführern getroffen und über Arrangements für die Gebete gesprochen.

„Gräueltaten und Menschenrechtsverletzungen“

Pakistans Außenminister Shah Mahmood Qureshi sprach dagegen von indischen „Grausamkeiten“. Die internationale Gemeinschaft müsse die „Gräueltaten und Menschenrechtsverletzungen Indiens in Kaschmir“ zur Kenntnis nehmen, sagte er.

Auch Oppositionsführer Bilawal Bhutto Zardari drückte seine Unterstützung für die Menschen im indischen Teil Kaschmirs aus. Die Bevölkerung habe das Recht auf Selbstbestimmung. Qureshi und Zardari besuchten den pakistanischen Teil Kaschmirs anlässlich des Opferfestes.

Indiens Nachrichtensender zeigten am Montagmorgen keine Bilder des Straßenlebens in Kaschmir. In den vergangenen Tagen hatten die Sender Liveaufnahmen von Menschen und Autos in Kaschmir gezeigt und Hoffnungen auf eine Abschwächung der Ausgangssperre für die Feierlichkeiten am Montag geweckt.

Mit der Abriegelung schien Delhi eine Gegenbewegung verhindern zu wollen. In der überwiegend muslimischen Region positionieren sich die meisten Menschen gegen die indische Regierung. Es wird erwartet, dass die Ausgangssperre bis einschließlich Donnerstag anhält, wenn Indien seine Unabhängigkeit feiert. Für die Teilnahme an den Freitagsgebeten war die Sperre in der vergangenen Woche etwas gelockert worden, am Samstag und Sonntag wurde den Menschen auch erlaubt, vor den Feierlichkeiten zum Opferfest einzukaufen.

Soldaten sollen von Terrorismus befreien

Staatssekretär G. Kishan Reddy sagte am Sonntag, er gehe davon aus, dass die Situation in Kaschmir innerhalb von zwei Wochen „vollkommen friedlich“ werde.

Tausende zusätzliche Soldaten waren in die umstrittene Region im Himalaja geschickt worden, bevor die Hindu-Regierung am vergangenen Montag ihre Entscheidung mitteilte. Premierminister Narendra Modi sagte bei einer Rede an die Nation, die Entscheidung würde Jammu und Kaschmir von „Terrorismus und Separatismus“ befreien. Indiens Erzrivalen Pakistan, mit dem sich Indien um Kaschmir streitet, warf Modi vor, die Unruhen zu anzufachen.

Kaschmir ist zwischen Indien und Pakistan geteilt. Beide Länder beanspruchen es als Ganzes. Rebellen haben in der indisch verwalteten Region seit Jahrzehnten gegen die Regierung angekämpft.

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