Komplizierte Namenssuche für Kinder: Bruno wird immer ein Bär sein

Zu beliebt oder von einem unsympathischen Namensvetter versaut, zu sehr nach Kuh klingend oder nach Urin. Namensgebung ist hohe Kunst.

Aus Holzstücken gesägte Namenzüge in weiß lackiert vor einem grauen Marktstand

Louis, Luca, oder doch den Enzo? Namen auf einem Marktstand Foto: Klaus Martin Höfer/imago

Saskia. Was Besseres ist ihnen nicht eingefallen. Sie waren sich aber uneinig, deshalb auch noch Sophie. Mit Bindestrich. In den 80ern. Damals war das noch sophisticated. Und das in Österreich – niemand heißt da Saskia. „Hää, wie?“ oder „Du siehst nicht aus wie eine Saskia“, hieß es da. Aber ja, meine Mutter hing eben an dem Namen. Hätte ich einen Penis gehabt, hätte sie mich Silvester genannt. Ernsthaft. Sie hat einen Namen aus dem Arabischen, mein Bruder auch. Richtig schöne Namen. Keine Ahnung, womit ich das verdient hab.

Namen definieren natürlich nicht, wer wir sind, aber wir definieren, was andere von diesen Namen halten. Wer schon mal versucht hat, einen Namen für ein Kind zu finden, weiß, wovon ich rede. Es gibt im Grunde fünf Kategorien: 1. Die, die nicht infrage kommen. 2. Die, die gefallen, aber man kennt jemanden, der so heißt, den man lieber nicht kennen würde. 3. Die, die gefallen, aber der Name ruft zu starke Assoziationen mit einer bekannten Person hervor. 4. Die, die gefallen, aber jemand im Umfeld hat sein Kind schon so genannt – wobei man hier irgendwann landet bei: „Nein, das geht nicht, der Sekretär meiner Chefin hat eine Tochter, die so heißt.“ 5. Eine Handvoll Namen, die übrig bleiben.

Unter gar keinen Umständen sollte man diese Handvoll Namen mit Freunden oder Familie diskutieren. Denn dann werden sie noch mal in deren fünf Kategorien eingeteilt und man hört unter Umständen Dinge über den Namen, den man am Ende wählt, die man nicht vergessen kann. Besser keine Entscheidungsbeteiligung simulieren, wo man sowieso keine will.

Die letzte Handvoll Namen wird dann gemeinhin noch mit den Top Ten des Vorjahres abgeglichen und spätestens hier fängt das Auge an zu zucken, weil viele Namen, die man schön findet, natürlich auch andere Eltern schön finden. Dann fängt man wiederum an zu suchen, welche Namen gerade gar nicht beliebt sind, und landet bei: Gerhard, Marianne, Angelika und Jürgen. Na toll. Also noch mal von Anfang.

Das erste Kind hatte den Arbeitstitel Ringo

Wir sind für unser zweites Kind in der ernsten Phase der Namenssuche angekommen, das klingt etwa so: „Theo?“ – „Nee, da sehe ich zwei riesige Augenbrauen vor mir.“ „Alma“ – „Das ist doch ein Name für eine Kuh.“ – „Okay, Lyara?“ – „ Suchen wir einen Namen für ein Kind oder eine Stripperin?“ – „Pfff. Bruno?“ – „Das wird immer ein Bär sein.“ – „Aurin?“ – „Das ist Urin mit einem weiteren Buchstaben – was hat dir dieses Kind eigentlich getan?“

Sehr kompliziert. Wir warten jetzt, bis es da ist, und gucken uns dann mal die Augenbrauen an. Unser erstes Kind hatte während der Schwangerschaft den Arbeitstitel Ringo. Das Problem war nur, dass wir uns so daran gewöhnt haben, dass wir kurz vor der Geburt auf dem Sofa saßen und ernsthaft darüber nachdachten, unser Kind Ringo zu nennen. Und vielleicht ist das ja das Wichtigste: Man gewöhnt sich an jeden Namen.

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Seit 2013 bei der taz. Erst Volontärin der taz panter-Stiftung und dann taz eins-Redakteurin. Seit 2019 Ressortleiterin des Gesellschafts- und Medienressorts taz zwei. Schreibt über Gesellschaft, Politik, Medien und manchmal über Österreich.

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