Kommunalwahlen in Frankreich: Test nicht bestanden

In Zeiten von Corona wählen die Franzosen altbekannte Parteien, auch die Rechtsextremen. Macrons Partei verliert.

Ein Mann steht in einer Wahlkabine

Kommunalwahlen in Frankreich Foto: Imago/Marie Magnin

Darin sind sich alle Parteien einig: Die Gesundheit aller kommt vor den politischen Interessen einiger weniger, die gern Bürgermeister werden oder bleiben möchten. Wie aufrichtig diese Beschwörungen der nationalen Solidarität sind, wird sich später herausstellen. Eigentlich interessiert das im Moment auch nicht groß die öffentliche Meinung.

Zuerst wurde noch heftig darüber gestritten, ob es mit den Corona-Präventivmaßnahmen vereinbar sein kann, in den zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag zu gehen, oder ob die gesamte Kommunalwahl verschoben und der erste Durchgang für ungültig erklärt werden müsse. Auch diese Debatte wirkte rasch wirklichkeitsfremd: Denn selbst wenn die Regierung an einem zweiten Wahlgang festhalten sollte, würden in Frankreich die allermeisten Leute in ein paar Tagen nicht nochmals wählen gehen.

Die Ergebnisse vom Sonntag bestätigen, dass sich die Menschen in Krisenzeiten im Zweifel lieber an das Bewährte halten. Den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin kennen fast alle in den 35.000 größeren und kleineren Kommunen. Sie sind Bestandteil ihres Alltags, daran will man erst recht festhalten, wenn alles rundherum unberechenbar wird.

So haben denn laut den Ergebnissen des ersten Wahlgangs die traditionellen Parteien wie die Parti Socialiste auf der linken oder Les Républicains auf der konservativ-rechten Seite ziemlich gut abgeschnitten. Selbst die Grünen oder das rechtsextreme Rassemblement National gehören schon so weit zum politischen Establishment, dass auch sie von diesem Bonus für die „Altbekannten“ profitieren.

Emmanuel Macrons „La République en marche“ (LREM) dagegen ist seit dem Triumphmarsch des Präsidenten zum Stehen gekommen und muss sich ernsthaft Sorgen um die Weiterexistenz machen. Diese Bewegung hatte sich zum Ziel gesetzt, die politische Parteienschaft leerzufegen. Das hat den WählerInnen zunächst gefallen. Den lokalen Test der Kommunalwahlen hat Macrons LREM aber schon in der ersten Runde nicht bestanden.

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Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009. Er hat Germanistik, Philosophie und Publizistik studiert und ist seit 1987 als Journalist für deutschsprachige Medien in Paris tätig. Er schreibt über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Geschichten aus dem französischen Alltag auch für „Die Presse“ (Wien), die „Basler Zeitung“ und die „Neue Zürcher Zeitung“.

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