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Kommissar Rex ist ein Weichei

Die Frage ist hundewichtig: Kann ein Star von Chappi-TV mit dem Kriminalspürhund Axel mithalten? Nein, denn Rex ist fetter, langhaariger und verspielter  ■ Von Jens Rübsam

Diesem Hund scheint es einfach zu gut zu gehen. Er ist ein bißchen fetter als andere, ein bißchen langsamer, vielleicht auch ein bißchen tolpatschiger. Rex ist sein Künstlername, Kommissar Rex genauer gesagt. Im richtigen Hundeleben heißt er Reginald von Ravenhorst, ist geboren am 1. Juni 1991 in Ingolstadt, also deutscher Nationalität. Er hat seinen Zwinger (laut Pressetext: Wohnsitz) in Hollywood/Kalifornien; warum, das weiß keiner. Seine Lieblingsgerichte sind gekochte Leber und Hühnerbrust, womit erklärt ist, warum Rex fetter ist als andere Hunde. Sein Lieblingsspielzeug ist ein Gartenschlauch. Sein Lieblingsstar ist Thomas Gottschalk. Warum Rex so doof dreinschaut, liegt wohl hierin bergründet.

Ob Rex ein guter Deutscher ist, das wird uns im Steckbrief nicht verraten. Weil Kanzler Kohl aber ein Sat.1-Freund ist, der Obermufti von Chappi-TV den schönen Hundenamen Leo trägt und die halbe Nation immer donnerstags, völlig auf den Hund gekommen, die Glotze einschaltet, darum ist die deutsche Frage hundewichtig. Rex, so muß Leo Kirch gebellt haben, soll unserem Volke beweisen, daß er ein guter deutscher Hund ist. Am besten, so die Idee, man stelle ihm neun diensterfahrene Polizeihunde zur Seite und lasse ihn Verbrecher jagen. Was Axel kann, müsse auch Rex können.

Rex ist ein bißchen fetter als seine Kollegen und als Polizeihund, sagt Werner Albrecht, Bereichsleiter des Diensthundewesens, eigentlich gar nicht geeignet. Das sei wie mit Schimanski. Der könne im normalen Polizeialltag auch keine Verbrecher jagen. Wuff: Rex ist zwar Kommissar, aber höchstens so einer wie der Derrick-Tappert. Weil auch der so einen trotteligen Hundeblick hat.

Daß Rex sich gestern in der deutschen Hauptstadt beweisen mußte, muß als Zeichen gewertet werden. Leo mag geahnt haben, daß sein „Kommissar“ anders ist als alle anderen Polizeihunde. Er ist nicht nur fetter als die anderen Schäferhunde, sondern auch langhaariger und verspielter. Kommissar Rex ist ein Weichei – im Gegensatz zu Axel, den all das auszeichnet, was die 160 Berliner Schutz- und Kampfhunde ausmacht: Selbstsicherheit, Willensstärke und Triebigkeit. „Was in der Serie zu sehen ist, ist Show, hat nichts mit der Realität zu tun“, sagt Werner Albrecht und nennt ein Beispiel. „Wenn Rex aus einem Hochhaus springt, hüpft er in Wirklichkeit nur einen halben Meter tief.“ Das Fernsehen inszeniert eine Show – hier wie da. Auf dem Sportplatz der Ruhlebener Polizeidirektion sitzen ein großer Plüsch-Rex und drei kleine (Werbematerial). Davor knien Spürnasen mit Objektiv (von Presse, Funk und Fernsehen), am Spielfeldrand stehen Schulklassen aus Treptow und Lankwitz und auch Eleonora Polauke (70) aus Lichtenberg. Weil ihr einstiger Nachbar ein DDR-Abschnittsbevollmächtigter war, einen Hund namens Rex hatte und sie ihn bis heute nicht vergessen kann, ist sie zu Wessi-Rex gekommen. Hat ihm eine 1.250-Gramm-Büchse Rindschfleisch mitgebracht. Für den Journalisten ein gefundenes Fressen. Wahnsinn, denkt der sich und erhebt die Forderung: Rindfleisch nicht nur für Kommissar Rex, sondern für alle deutschen Diensthunde. Die deutsche Frage würde sich ganz schnell (auf)lösen.

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