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Kommentare Finanzkrise Selbstheilungskräfte des Steuerzahlers

Ulrike Herrmann

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Ulrike Herrmann

Die Vorschläge, wie man sich aus der Finanzkrise manövrieren könnte, sind zahlreich. Aber mehr Kontrollen verhindern auch kein weltweites Desaster.

Ulrike Herrmann ist Redakteurin für Wirtschaftspolitik der taz.

Und was folgt jetzt politisch aus der weltweiten Finanzkrise? Das ist zwar noch völlig unklar, aber an Vorschlägen fehlt es nicht. Eine kleine Auswahl: Die Banken sollen stärker mit ihrem Eigenkapital haften, sie sollen früher über Risiken informieren, die Bankenaufsicht soll ausgebaut werden, die Rating-Agenturen sollen nicht mehr privat sein. Irgendwie soll der Finanzmarkt also ganz, ganz transparent werden und desaströse Investitionsentscheidungen soll es auch nicht mehr geben.

Natürlich ist nichts gegen das Ansinnen zu sagen, Banken und Hedgefonds stärker zu überwachen. Nur dürfte es bei einem eher hilflosen Versuch bleiben. Denn jede Kontrolle braucht Kontrolleure, die nicht Teil des Systems sind. Die aber gibt es nicht in der Finanzwelt. Zwar ist die Bankaufsicht formal von den Banken getrennt, aber die Akteure denken doch sehr ähnlich. Immer wieder hat es sich gezeigt: Kaum werden die Börsen vom rauschhaften Optimismus erfasst, ignorieren auch die Aufpasser die nahe liegenden Probleme.

Was ein Papier wert ist, wie hoch ein Risiko ist, wird schnell subjektiv. Bei nüchterner Betrachtung hätte sich etwa der Aufsichtsrat einer deutschen Landesbank auch jetzt schon denken können, dass es doch seltsam ist, dass verbriefte Hypothekenkredite als bombensichere Anlage gelten, obwohl bekannt war, dass die Schuldner zu den Ärmsten der USA gehören. Aber die Banker haben es sich eben nicht gedacht. Und es ist sehr schwierig zu sehen, wie man sie zum Denken zwingen kann. Formale Kontrollregeln allein werden nicht reichen.

Ein Crash ist also nicht unwahrscheinlich - und der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sieht ihn bereits gekommen. Er glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes und fordert daher, dass der Staat eingreift. Dagegen ist nichts zu sagen. Aber nur wenn ausgeschlossen ist, dass die Kreditinstitute erst ihre Gewinne privatisieren und dann die Verluste sozialisieren. Sobald eine Bank gerettet werden muss, gehört sie verstaatlicht. In Deutschland wirkt dies auf viele wie eine sozialistische Forderung - in den so kapitalistischen USA hingegen ist dies weitgehend unumstritten. Die Hilfe des Steuerzahlers ist eben nicht umsonst zu haben. ULRIKE HERRMANN

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Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann Wirtschaftsredakteurin

Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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