Kommentar: Ein trauriges Bild
■ Gewerkschafter contra Space-Park
Es war schon ein trauriges Bild – gestern nachmittag unter dem Roland. Der wackere Patron blickte desinteressiert auf 30 Demontranten, die um ihre Bremischen Arbeitsplätze kämpften. Betriebsräte zusammen mit der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (hbV). Doch genau wie der Roland, nahm auch kaum ein Passant Notiz von den Aufmüpfigen, die das altehrwürdige Geländer rund um den Schwertkämpfer mit Werbeplastiktüten behängten.
Allein – das Desinteresse der BremerInnen an dem Häuflein Elend rund um den Roland bestätigt eins. Ihnen ist es egal, wo sie konkret einkaufen gehen. In der City kaufen ohnehin größtenteils die UmländerInnen ein. Entsprechend egal dürfte es ihnen auch sein, ihren Bummel im Space-Park zu veranstalten. In der City verbleiben dann nur noch die TouristInnen, die sich den Roland ansehen wollen.
Man muß sich wundern, warum es die Betriebsräte, die nach eigenen Angaben sogar schwer provozieren wollen, nicht schaffen, für ein aus ihrer Sicht so wichtiges Anliegen, wie den Erhalt ihrer City-Arbeitsplätze, mehr Leute zu motivieren. Die Provokation war eher lächerlich und man könnte meinen, die unterbesetzte Demo war absichtlich auf den Beginn des Bremer Sommers und in die Ferien gelegt. Motto: Bloß nicht auffallen, um den Job nicht zu riskieren. Darum laufen der Gewerkschaft die Mitglieder weg und auf die Straße gehen höchstens 30 Altvordere. Ein trauriges Bild. Jens Tittmann
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