Kommentar zum Rauchverbot auf Neuköllner Spielplätzen : Neukölln hat andere Probleme
Spielplätze sind Teil des öffentliches Raumes und, zu dem bestimmte Freiheiten gehören, findet Juliane Schumacher.
A uf Neuköllner Spielplätzen ist Rauchen noch erlaubt. Das kann nicht sein, haben sich die Grünen gedacht – und einen Antrag gestellt, auf dass der Bezirk die Verbotslücke schnellstmöglich schließe. Sie treten damit eine Debatte los, die Neukölln wirklich nicht braucht.
Man kann fragen, wie viel Sinn ein Verbot macht, wenn der Bezirk von vornherein ankündigt, dass er keine Kapazitäten habe, es zu kontrollieren. Man kann aber auch erleichtert sein, dass Neukölln dafür nicht auch noch zusätzliches Geld ausgibt.
Keine Frage, dass in Räumen, wo sich Kinder aufhalten, nicht geraucht werden sollte. Keine Frage auch, dass niemand seine Zigarettenstummel in die Sandkiste werfen sollte. Ebenso wenig wie Tüten oder Scherben, die definitiv das größere Problem sind – weshalb aber niemand auf die Idee kommen würde, essen und trinken zu verbieten.
Verbot wirkt ausgrenzend
Spielplätze sind Teil des öffentlichen Raumes und gerade in einem Bezirk wichtig, in dem die wenigsten Familien einen Balkon oder Garten haben. Öffentlicher Raum bedarf einer gewissen Freiheit, damit er von allen gern genutzt wird, von Kindern, Eltern, Familien unterschiedlicher Herkunft. Rücksichtnahme vorausgesetzt. Und Toleranz – auch zwischen Rauchern und Nichtrauchern.
Was es definitiv nicht braucht, sind mehr Regeln und Verbote, die zum Ausschluss einzelner Gruppen führen. Ganz zu schweigen von aufgeladenen Diskussionen um Banalitäten wie eine Zigarette unter freiem Himmel. Kinder in Neukölln haben andere Probleme: schlecht ausgestattete Schulen, Armut, wenig Zukunftsperspektiven. Bitte, liebe Bezirkspolitiker: Regt euch darüber auf! Statt mit viel Rauch um nichts von Dringenderem abzulenken.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert