piwik no script img

Kommentar zu UmweltzoneUmweltzone allein wirds nicht richten

Kommentar von

Sebastian Heiser

Der Senat bemüht sich ernsthaft um ein grünes Profil für Berlin. Die Feinstaub-Grenzwerte werden dennoch zu oft überschritten. Mehr Maßnahmen für bessere Luft als die Umweltzone sind also nötig.

Beim Schutz vor Feinstaub gehört Berlin bundesweit zu den Vorreitern: Der rot-rote Senat erlaubt nur noch Fahrzeugen mit grüner Plakette die Fahrt in den S-Bahn-Ring. Sonst hat das nur Hannover probiert - aber die Stadt wurde gerade vom niedersächsischen Landesumweltminister zurückgepfiffen. Derzeit ist also bundesweit keine andere Stadt so rigide wie Berlin. Das zeigt, wie ernsthaft der Senat und insbesondere Umweltsenatorin Katrin Lompscher von der Linkspartei sich um ein grünes Profil bemühen.

Die Berliner können trotzdem nicht aufatmen. Ihren Lungen ist schließlich egal, wie stark der Senat sich anstrengt - am Ende zählt das Ergebnis. Und das ist miserabel. Da tröstet es auch kein bisschen, dass einer der Gründe für die derzeit so hohe Feinstaubbelastung die Wetterlage ist.

Und bereits jetzt scheint es damit absehbar, dass die Grenzwerte in diesem Jahr häufiger als an den 35 erlaubten Tagen überschritten werden und damit eine Gefährdung der Gesundheit wahrscheinlicher wird. Außerdem läuft das Land Gefahr verklagt zu werden: Vor anderthalb Jahren hatte ein Münchner vor dem Europäischen Gerichtshof ein Urteil erwirkt, wonach Bürger einen Aktionsplan einklagen können, der geeignet ist, die Gefahr einer Überschreitung der Grenzwerte auf ein Minimum zu reduzieren. Besser also, der Senat bereitet sich schon jetzt vor, durch Fahrverbote, eine City-Maut oder auch durch besondere Auflagen für die Industrie die Feinstaubbelastung zu senken.

Und vor allem sollte dies auch für den Bereich außerhalb des S-Bahn-Rings gelten. Denn ganz Berlin braucht saubere Luft.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • D
    DenkSchlächter

    Gratulation an die „Verkäufer“ der Umweltzonen. Umweltzonen sind nahezu wirkungslos.

    „Schlaue Politiker“ und Dösbaddel haben sie dennoch ermöglicht. Merke: gut gemeint ( sofern zutreffend – ich habe da meine Zweifel! ) ist oft das Gegenteil von gut! Würden statt dessen in eine Stadt wie Berlin 3-4 Durchgangsstraßen mit entsprechend gut programmierten Ampelanlagen und Tempovorgaben ausgestattet, der Nutzen wäre um ein Vielfaches größer.

    Nachteil: Datensammeln und Abzockerei entfallen.