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Kommentar von Fabian Kretschmer zu Trumps Peking-BesuchDer große Trump ganz klein

Wenn Chinas Staatschef auf den US-Präsidenten trifft, wirkt er bedacht, in sich ruhend, selbstbewusst. Zweifelsohne agiert Xi Jinping aus einer Position innerer Stärke. Sie ist keineswegs gespielt. Der 72-Jährige weiß, dass er derzeit die besseren Trümpfe in der Hand hält. Er muss weder Midterm-Wahlen fürchten, noch hat er sich in einen Krieg verheddert. Und sobald sein Kontrahent Donald Trump auf Konfrontation geht, kann er ihn jederzeit vom chinesischen De-facto-Monopol auf Seltene Erden abschneiden.

Xi ist von einer historischen Mission getrieben. Er möchte die chinesische Nation zu alter Größe führen. Derzeit scheint der Plan des Parteivorsitzenden erstaunlich gut aufzugehen. Je stärker der US-Präsident gegen seine Alliierten wettert, desto wirksamer kann sich die Volksrepublik als alternative, scheinbar verlässliche Weltmacht präsentieren. Dafür muss Xi Jinping nicht viel mehr tun, als von der Seitenlinie aus zuzuschauen, wie sich die alte Weltmacht selbst demontiert. Dass Xi im Systemwettbewerb momentan am längeren Hebel sitzt, hat das Gipfeltreffen in Peking deutlich offenbart. Während Chinas Staatschef vor den Fernsehkameras eine scharfe Warnung gegen Trump aussprach, in der Taiwan-Frage die roten Linien nicht zu überschreiten, überhäufte der US-Präsident seinen Gastgeber mit Komplimenten.

Natürlich sind die inneren Probleme Chinas immens. Die Volkswirtschaft kann nicht annähernd ausreichend Arbeitsplätze für die zunehmend frustrierte Jugend bereitstellen. Die Geburtenrate ist innerhalb der letzten Dekade um die Hälfte eingebrochen. Die meisten Unternehmen leiden unter einem brutalen Preiswettbewerb.

Doch Xis Traum hat nichts mehr mit dem individualistischen Wohlstandsversprechen zu tun, das der Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping (1904–1997) seinerzeit gab. Xi ist mehr als bereit, kurzfristiges Wirtschaftswachstum für eine größere nationale Mission zu opfern: einen starken, sozialistischen Staat. Ob dabei Millionen auf der Strecke bleiben, ist ihm weitgehend egal.

Zu Xis Vision gehört auch ein Anschluss der „abtrünnigen Provinz“ Taiwan ans Mutterland. Daran hat er beim Treffen mit Trump keinen Zweifel gelassen. So bezeichnete er die Taiwan-Frage als „wichtigstes Thema in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen“, die – wenn sie „falsch“ behandelt werde – die beiden Länder in einen Konflikt stürzen würden. Die Drohung ist nicht nur an die USA gerichtet, sondern an die gesamte demokratische Welt. Ob Xi Jinping mit seinem Plan durchkommt, ist keineswegs in Stein gemeißelt. Doch dieser Tage scheint er seinem Ziel einen weiteren Schritt nähergekommen.

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