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Kommentar: Wowereits Finanzsenator Die Trümpfe des Sonnenkönigs

Gereon Asmuth

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Gereon Asmuth

Man kann Wowereits Politik als das Vorgehen einen autokratischen Sonnenkönigs geißeln. Man kann aber auch zu dem Schluss kommen, dass der Regierende Bürgermeister mit geschickt verdeckten Karten spielt, um im richtigen Zeitpunkt seine Trümpfe ausspielen zu können.

Eins muss man Klaus Wowereit lassen: Er versteht es, Lösungen zu präsentieren. Erst lockt er die Modemesse Bread & Butter zurück nach Berlin und drückt so der Debatte um die Nachnutzung des Flughafens Tempelhof seine Marke auf. Nun präsentiert er mit Ulrich Nußbaum einen durchaus vorzeigbaren Nachfolger für Finanzsenator Thilo Sarrazin, den trotz fast zweijähriger Spekulationen niemand ganz vorn auf seiner Tippliste hatte.

In beiden Fällen kann man Wowereit nicht nachsagen, besonders kooperativ vorgegangen zu sein. Im Gegenteil: Bei der Vorstellung von Nußbaum als kommenden Senator trug es offensichtlich zu Wowereits vergnüglicher Laune bei, dass bis zum letzten Moment nicht nach außen gedrungen war, wen er da aus dem Hut zaubern würde.

Man kann Wowereits Politik als das Vorgehen einen autokratischen Sonnenkönigs geißeln, der mit selbstherrlicher Arroganz über die Bedenkenträger in seinem Umfeld hinweggeht. Man kann aber auch zu dem Schluss kommen, dass der Regierende Bürgermeister mit geschickt verdeckten Karten spielt, um im richtigen Zeitpunkt seine Trümpfe ausspielen zu können. Trotz aller Nörgelei der Opposition: Derzeit spricht viel dafür, dass die zweite Sichtweise zutrifft.

Ob Wowereits Trümpfe tatsächlich stechen oder ob sie sich als Luschen erweisen, wird man zwar erst in ein oder zwei Jahren sagen können. Das aber ist nicht weiter schlimm. Denn in zwei Jahren steht die nächste Abgeordnetenhauswahl an. Ein hervorragender Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen.

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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