Kommentar Wahlergebnis in Schleswig-Holstein: Nervenkitzel auf dünnem Eis
Aus einer knappen Mehrheit ist eine sehr knappe geworden. CDU und FDP müssen nun aufpassen, dass ihnen das Eis nicht unter den Füßen wegbricht.
K ontrolle ist doch besser als Vertrauen. Die Peinlichkeit, die sich die Wahlleitung da ganz oben links im Norden geleistet hat, dürfte ziemlich einmalig sein in der Geschichte deutscher Wahlen. Gut, dass das korrigiert wird, noch besser, wenn eine Wiederholung verhindert würde.
Für das schwarz-gelbe Regierungsbündnis in Kiel ist die Nachzählung selbstredend kein Grund zur Freude. Aus einer knappen Mehrheit wird jetzt eine sehr knappe. Eine Stimme überm Durst jedoch kann reichen. Konrad Adenauer wurde so 1949 Bundeskanzler und blieb es vier Jahre, in Kiel regierte die SPD von 1992 bis 1996 mit nur einer Stimme Mehrheit. Das kann gut gehen, das kann zusammenschweißen.
Muss es aber nicht, wie Heide Simonis 2005 in Kiel oder Andrea Ypsilanti 2008 in Hessen erlebten. Ihnen fehlte in der Praxis jeweils die eine Stimme, die rein rechnerisch existierte. Es kann eben auch schief gehen.
Selbst wenn das Landesverfassungsgericht die schwarz-gelbe Mehrheit bestätigen sollte, wird das Regieren an der Förde zum Nervenkitzel. Ein einziger unzufriedener oder erkrankter Abgeordneter kann das dünne Eis zum Schmelzen bringen, auf dem CDU und FDP nicht auszugleiten sich bemühen.
Sollten die obersten Richter jedoch die Mandatsverteilung kippen, drohen sogar Neuwahlen. Aber dann bitte gleich richtig zählen.
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