Kommentar Terror in Nordirland : Wer alles mordete
Gordon Browns Erklärung vom Sonntag erweckt den Eindruck, dass nur die IRA Anschläge verübt hätte. Im Interesse des Friedens dürfen die anderen Opfer nicht verschwiegen werden.
G ordon Brown hat sich in eine ungemütliche Lage manövriert. Wenn er verspricht, dass er sich bei der libyschen Regierung um Schadensersatz für die Opfer der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) bemühen wird, weil Libyen den Semtex-Sprengstoff für die Anschläge geliefert hat, dann werden auch die anderen Opfer des Nordirland-Konflikts zur Sprache kommen müssen.
Browns Erklärung vom Sonntag erweckt den Eindruck, dass nur die IRA Anschläge in Nordirland oder Großbritannien verübt hätte. Die Terrororganisationen der pro-britischen Loyalisten haben aber in dem Konflikt genauso mitgemischt. Woher hatten sie ihre Waffen? Zum Großteil von der britischen Armee und der nordirischen Polizei, die darüber hinaus Tipps für Attentatsziele gaben.
Ihre Morde, Mordversuche und Drogengeschäfte sind jahrelang von der Polizei gedeckt worden. Zu diesem Ergebnis kam vor zwei Jahren eine Untersuchung. Die Täter, Mitglieder der verbotenen Ulster Volunteer Force (UVF), arbeiteten als Informanten für die Polizei.
Und nicht nur das. In vielen Fällen waren britische Soldaten und Polizisten direkt an den Morden beteiligt, zum Beispiel 1975, als die Miami Showband, eine Tanzkapelle, an einem Armee-Checkpoint angehalten und von der UVF niedergemetzelt wurde. Die Täter waren nicht nur UVF-Mitglieder, sondern Angehörige des nordirischen Regiments der britischen Armee. Auch an den UVF-Anschlägen in Dublin und Monaghan ein Jahr zuvor, bei denen 33 Menschen starben, war der Geheimdienst der Armee beteiligt. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Eine Wahrheitskommission hat die britische Regierung deshalb stets abgelehnt. Wenn Brown sich nun für die IRA-Opfer einsetzt, dürfen die anderen Opfer nicht verschwiegen werden - auch im Interesse des nordirischen Friedensprozesses.
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