Kommentar Syrien : Saison der Massaker
Der syrische Bürgerkrieg ist in seine brutalste Phase getreten. Dank der Ideenlosigkeit der internationalen Gemeinschaft wird sie sehr lange dauern.
G rausam, brutal, unerbittlich. In Syrien hat die Zeit der Massaker begonnen. Und diese Zeit wird lange dauern. Das Abschlachten von Menschen, die Rache für erlittene Gräueltaten, der Kampf um die Vormacht in jedem Dorf und in jeder Region haben erst begonnen. Entschieden ist die Schlacht noch nicht.
Bislang – und das trifft wohl auch auf das jüngste Massaker in Trimsa zu – sind in den meisten Fällen die Regierungstruppen und die Shabiha-Milizen für die monströsen Verbrechen verantwortlich. Das muss so aber nicht bleiben. In einem Krieg, der buchstäblich ums Überleben geht, wird die moralische Grenze gedehnt, bis sie nicht mehr wirksam ist.
Die Bemühungen der internationalen Diplomatie sind einfach an den Machtinteressen der beteiligten Groß- und Kleinmächte gescheitert. Der Annan-Plan war immer nur die Ausrede aufseiten aller beteiligten Staaten dafür, dass sie keine Idee hatten, wie dem inneren Konflikt in Syrien beizukommen gewesen wäre. Also wird er jetzt ausgefochten. Dabei sind die Armee-Einheiten und die Shabiha-Milizen im Vorteil – militärisch. Aber das kann sich durchaus ändern.
Viele internationale und regionale Akteure haben ein großes Interesse daran, in Syrien einen Stellvertreterkrieg auszufechten, der sich gegen Iran, gegen die Hisbollah im Libanon und gegen die schiitische Herrschaft im Irak richtet. Um einen Flächenbrand zu vermeiden, der die gesamte Region in einen Krieg verwickelt, wird umso heftiger und gnadenloser in Syrien massakriert und gefochten.
Schon heute ist absehbar, dass Syrien auf ein bis zwei Jahrzehnte hinaus ein verarmtes, destabilisiertes und verheertes Land bleiben wird, in dem ein menschenwürdiges Leben nicht mehr möglich sein wird.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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