Kommentar Rohstoffe aus Kriegsgebieten

Die EU muss weiter denken

Es ist ja schön und gut, wenn der Abbau von Mineralien wie Tantal keine bewaffneten Konflikte finanziert. Die optimale Lösung sieht aber anders aus.

Tantalabbau in Ruanda. Bild: reuters

Freiwilligkeit und Anreize – damit will die EU-Kommission gegen ein drängendes Problem der Elektronikindustrie vorgehen: die Verwendung von Rohstoffen, durch deren Abbau bewaffnete Konflikte finanziert werden. Die EU hinkt etwas hinterher. In den USA legt ein Gesetz aus 2010 Firmen Berichtspflichten auf, Apple hat kürzlich stolz verkündet, das Mineral Tantal mittlerweile aus sogenannten konfliktfreien Quellen zu beziehen.

Abgesehen davon, dass man immer genau hinschauen muss, welche Effekte vor Ort entstehen – wenn es Konzerne und EU ernst meinen, dürfen sie das Thema Rohstoffe nicht auf ihren Abbau reduzieren. Schließlich sind die besten Rohstoffe die, die gar nicht abgebaut werden müssen.

Schon konsequentes Recycling reduziert die Menge. Gold aus dem alten Gerät raus und in das neue rein – ganz so direkt natürlich nicht, aber das wäre das Prinzip. Ein Unternehmen, das Recycling massiv erschwert, ist Apple.

Nicht nur, dass der Konzern sich gegen den Standardstecker für Ladegeräte sträubt, sodass mehr Elektronikzubehör produziert und weggeworfen wird. Sondern auch, weil in iPads, iPhones etc. die einzelnen Komponenten fest verbaut sind. Das macht es zum einen dem Kunden praktisch unmöglich, auch nur den Akku selbst zu wechseln. Und so verkürzt sich die Lebensdauer eines Geräts, was zu einem schnelleren Nachkauf und damit einem höheren Bedarf an Rohstoffen führt.

Zum anderen kapitulieren auch die Recyclingunternehmen. Müssen sie extra mit Werkzeug anrücken, um die Komponenten auseinanderzunehmen, rechnet sich das Recycling nicht mehr. Vor allem dann nicht, wenn die frisch abgebauten Rohstoffe günstiger zu haben sind. Ein Teufelskreis, den zu durchbrechen es deutlich mehr braucht als die Hoffnung auf guten Willen.

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Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind Themen aus dem Bereich Netzökonomie und Verbraucherschutz. Zuvor hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet.

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