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Kommentar Nordkoreakrise In der Rolle einer Geisel

Fabian Kretschmer

Kommentar von

Fabian Kretschmer

Die Politik von Moon Jae, dem linken Präsidenten Südkoreas ist besonnen. Wie erfrischend. Doch ändert das nichts an der Rolle seines Landes.

M an könnte es als Ironie des Schicksals deuten, dass sich der Nordkorea-Konflikt ausgerechnet seit Amtsantritt des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In derart rasant zuspitzt. Innenpolitisch nämlich hat sich das Klima mit dem linksgerichteten Moon bereits entschieden verändert: Erst jetzt wieder versprach der 64-Jährige, die staatliche Gesundheitsversicherung weiter auszubauen und die öffentlichen Rundfunksender von ihrem politischen Filz zu befreien. Nur interessiert sich derzeit kaum jemand für die Reformbemühungen der Regierung.

Stattdessen verfolgen vor allem die älteren Südkoreaner mit Argusaugen, wie Moon den Konflikt mit Nordkorea meistert. Schließlich wird er von der rechten Opposition stets als „Kim-Versteher“ gebrandmarkt, der die Sicherheitsinteressen des Landes nicht ernst genug nimmt. Tatsächlich ist die aktuelle Situation eine Gratwanderung. Als überzeugter Pazifist möchte Moon einen Krieg unbedingt vermeiden. Gleichzeitig erlebt er nun als Staatsoberhaupt, dass man mit scheinbar gut gemeinten Gesprächsangeboten bei Nordkorea auf Granit beißt.

Am Mittwoch rief Moon zu einer „vollständigen“ Reform seiner Streitkräfte auf und bat die USA um eine Neuverhandlung des bilateralen Militärabkommens, um größere Raketen produzieren zu dürfen. Gleichzeitig jedoch betont seine Regierung stets, die Aufrüstung diene vornehmlich der Verteidigung. Die Tür zum Dialog mit Nordkorea bleibe weiterhin offen. Selbst an den Plänen für innerkoreanische Winterspiele bei der Olympiade in Pyeongchang im Februar möchte Moon festhalten.

Man kann dies für naiv halten. Im Vergleich zur Hysterie eines Trump wirkt die Art des Südkoreaners jedoch erfrischend besonnen. Bitter aber: Um Südkorea geht es nur am Rande. Das Land am Han-Fluss diskutiert nicht auf Augenhöhe, sondern ist vielmehr eine politische Geisel. Nordkorea will im Grunde nur die Anerkennung der USA – egal auf welchem Wege.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Fabian Kretschmer

Fabian Kretschmer Korrespondent in Südkorea

Seit 2024 Korrespondent für die koreanische Halbinsel und China mit Sitz in Seoul. Berichtete zuvor fünf Jahre lang von Peking aus. Seit 2014 als freier Journalist in Ostasien tätig. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Betreibt nebenbei den Podcast "Beijing Briefing". Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.
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1 Kommentar

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  • Eric Boule

    Es stellt sich heraus das die Friedendaeusserungen vom neuen suedkoreanischen Presidenten Moon Jae In,seit seiner Installierung,nicht viel wert sind,weil die Provokationen von USA+Suedkorea sind einfach weitergemacht.Jetzt will Moon Jae In aufruesten mit Hilfe von USA.Gegen Atombomben gibt es keine effektive Aufruestung.Es haengt also von ihm ab ob es so weitergeht