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Kommentar Nazis und Waffen Hochgefährliche Waffennarren

Konrad Litschko

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Konrad Litschko

In Kassel bietet ein Neonazi Waffen zum Kauf. Der Fall zeigt: Rechtsextreme lassen auch nach dem NSU nicht von Waffen. Die Szene bleibt explosiv.

E s kann niemand ernsthaft geglaubt haben, dass mit dem Auffliegen des NSU-Trios die rechtsterroristische Gefahr gebannt wäre. Aber wer mal wieder einen Beweis suchte, kann derzeit nach Süddeutschland schauen. Dort soll, wenn sich die Angaben bestätigen, ein Neonazi bei einem Gesinnungsgenossen zwei Pistolen bestellt haben – mit Aussicht auf „mehr“, wenn der Deal klappt.

Der Fall zeigt einmal mehr: Die rechte Szene kann von Waffen nicht lassen. Von Einzelfällen braucht hier niemand reden. In Norddeutschland ging die Bundesanwaltschaft gegen ein Werwolf-Kommando vor, deren mutmaßlicher Anführer derzeit eine zwölfjährige Haftstrafe absitzt, weil er einen Mann niedergeschossen hat. In NRW stießen Ermittler beim Verbot von drei der aktivsten Kameradschaften auf Pistolen, ein Gewehr und mehrere hundert Schuss scharfe Munition.

Im Ausland sollen deutsche Neonazis laut Sicherheitsbehörden im letzten Jahr mehrere Schießübungen absolviert haben. Und erst jüngst nahm die Bundesanwaltschaft die „Oldschool Society“ hoch, die nach Ansicht der Ermittler Anschläge auf Moscheen und Asylunterkünfte plante und dafür bereits illegale Pyrotechnik hortete.

All diese Fälle spielen nach dem Ende des NSU. Und es vergeht kaum eine Razzia gegen Rechtsextreme, die nicht mit Waffenfunden endet. Dieser Befund, gepaart mit einer Ideologie aus dumpfer Ablehnung aller Anderslebenden und archaischer Gewaltfaszination, schafft eine denkbar beunruhigende Melange. Die wird umso explosiver in Zeiten, in denen Ressentiments gegen Asylsuchende sich in immer weitere Teile der Gesellschaft schleichen, in der heute schon Flüchtlingsunterkünfte brennen und unverhohlen Gewaltfantasien im Internet durchgespielt werden. Allzu leicht könnten sich Neonazis in dieser Situation eingeladen fühlen, „zur Tat zu schreiten“ und gegen die vermeintliche „Überfremdung“ in den Kampf zu ziehen.

„Taten statt Worte“, gab sich der NSU als Leitspruch. In der rechten Szene gilt dies vielen bis heute. Es gibt keinerlei Grund zur Beruhigung.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Konrad Litschko

Konrad Litschko Reportage und Recherche

Ressort Reportage und Recherche. Zuvor Redakteur für Themen der "Inneren Sicherheit" im taz-Inlandsressort, dort von 2022 bis 2024 stellvertretender Ressortleiter. Davor im Berlin-Ressort. Mitautor der Bücher "Staatsgewalt" (2023), "Fehlender Mindestabstand" (2021), "Extreme Sicherheit" (2019) und „Bürgerland Brandenburg" (2009). Threema ID: 2H9VKXR4
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2 Kommentare

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  • Sehr geehrter Herr Litschko,

     

    abgesehen von der Nicht-Meldung das Rechtsextremisten versuchen sich widerrechtlich erlaubnispflichtige Schusswaffen und Kampfmittel zu verschaffen, was ist ein Waffennarr"?

     

    Einem "Narren" wird ein törichtes Verhältnis zu einem Gegenstand zugeeignet. Für erklärte Freunde einer Gewaltherrschaft erscheint es da nicht besonders töricht sich die nötigen Herrschaftsmittel verschaffen zu wollen?

     

    Leider gibt es in Deutschland einen unangenehmen Reflex sofortige Realitätsverlustes wenn ein Sachverhalt erlaubnisprlichtige Schusswaffen beinhaltet. Dann ist der "Waffennarr" wohlfeil, was inahltlich aber ohne Nachweis nur noch absurd bis peinlich ist.

     

    Sich über solche Betrebungen zu ereifern ist letzlich albern, genauso wie jede angebliche verwunderung über solche extremistischen Tendenzen.

    "Keine Waffe gefunden" wär in dem Zusammenhang eher berichtenswert...

  • Alles ganz im Sinne der "Mitte"!