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Kommentar McCains AntrittsredeMcCain verspricht McChange

Kommentar von

Adrienne Woltersdorf

Den Republikanern ist es gelungen den US-Patriotismus in ihren Besitz zu nehmen. Obama muss sich jetzt was einfallen lassen, um gegenhalten zu können.

N ein, er ist wahrlich kein großer Redner. Dass John McCain seine Antrittsrede nur eine Woche nach Barack Obama hielt, ließ den Unterschied nur umso deutlicher hervortreten. Statt seinen Wählern Wege vor allem aus der ökonomischen Krise aufzuzeigen, bot McCain nichts als nationalistische Phrasen.

Adrienne Woltersdorf ist USA-Korrespondentin der taz in Washington.

Damit ist den Republikanern immerhin gelungen, Patriotismus und Vaterlandsbrimborium fest in ihren Besitz zu nehmen. Sie reklamieren das Know-how in Sachen nationaler Sicherheit und den Mumm, die amerikanischen Werte zu verteidigen, für sich. Die Demokraten werden sich etwas einfallen lassen müssen, um aus der Weichei-Ecke, in die sie die Republikaner mal wieder gestellt haben, herauszukommen.

McCains beste Leistung auf diesem Parteitag war die Wahl seiner Vizekandidatin. Während Sarah Palin mit ihrem Outdoor-Charme die für den Wahlsieg so entscheidende christlich-konservative Basis mobilisieren wird, will McCain ab jetzt die Mitte der Gesellschaft beackern. Mit der jungen, ultrakonservativen Gouverneurin an seiner Seite kann er sich nun getrost auf die Rolle konzentrieren, die ihm am meisten liegt: Charakterheld mit einprägsamer Geschichte als Kriegsgefangener in Vietnam.

In dieser Rolle fühlt er sich wohler als bei den religiösen Rechtsaußen. Und als der bärbeißige, aufrechte Politkämpfer, als der er sich gibt, der angeblich so selbstlos für sein Land in den Ring tritt, könnte er bei Wählern in der Mitte punkten.

Während Obama bei den Demokraten mit gutem Grund als Kandidat des Neuanfangs gefeiert wird, stilisieren auch die Republikaner ihrerseits McCain zum wahren Kandidaten des Wandels. Dass dieser seit 35 Jahren in Washington mitmischt und Bushs Politik zu weiten Teilen unterstützt hat, ist da absurderweise kein Widerspruch. Im Gegenteil: Weil es im US-Wahlkampf um den "Charakter" des Kandidaten geht, kann sich McCain bei den Unentschlossenen als Kriegsheld und unbequemer Streiter für Gerechtigkeit andienen.

Obama ist da als Newcomer eher im Nachteil. Er muss nun zeigen, dass echter "Change" nur mit frischen Ideen und Köpfen geht.

Nur: Vielleicht fürchten sich viele US-Amerikaner ja im Grunde davor.

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