Kommentar Manipulation beim ADAC

Der gelbe Teufel

Der Automobilklub ADAC hat mit manipulierten Abstimmungszahlen sein Image stark beschädigt. Mehr Transparenz könnte die Folge sein.

In Verruf geraten: ADAC-Preis „Gelber Engel“. Bild: dpa

Einen „Gelben Engel“ hat der ADAC für das beste Auto verliehen. Jetzt hat der Autoklub deshalb den Teufel an der Hacke. Die Manipulation der Teilnehmerzahl an der Abstimmung mag für sich genommen marginal erscheinen. Solange man kein Autofan und Markenfetischist ist, kann es einem wurscht sein, ob da nun ein Volkswagen, ein BMW oder ein Mercedes gewonnen hat.

Wer sich aber für Macht und Manipulation interessiert, den macht diese gefälschte Wahl hellwach. Denn damit zerkratzt sich der größte Verein Deutschlands selbst das polierte Image ab.

Was Umweltschützer in Jahrzehnten nicht geschafft haben, das besorgt der ADAC jetzt selbst. Wenn schon bei der Autowahl getrickst worden ist, wie steht es dann um die Autotests? Sind die Versicherungsleistungen wirklich so günstig, die Reiseführer so gut?

Die Basis eines jeden Dienstleisters ist Vertrauen. Es ist dem ADAC bemerkenswert lange gelungen, sich als freundlichen Pannenhelfer ohne eigene finanzielle Interessen darzustellen, der dafür sorgt, dass wegen eines Motorschadens verzweifelte Mütter und Väter wieder glücklich werden.

Doch dieses Image ist eine Schimäre. Der ADAC ist ein Wirtschaftsunternehmen mit Tausenden Mitarbeitern und einem undurchsichtigen Firmengeflecht, über dessen Interna kaum etwas an die Öffentlichkeit dringt. Dieses Konsortium hat faktisch ein Meinungsmonopol über die Interessen der Autofahrer errungen und fingert zugleich mit den Herstellern herum. Es vertritt eine Verkehrspolitik von vorgestern.

Ein Dinosaurier also. Nein, vom Aussterben ist der Verein deshalb nicht bedroht. Aber die über Jahre manipulierte Autowahl könnte dazu führen, dass sich dieser Saurier künftig in seine dunkle Wohnhöhle schauen lassen muss. Und da drin dürfte es ganz fürchterlich stinken.

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Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist seit den 1980er Jahren bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inland. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte. Zuletzt erschien von ihm herausgegeben: "Das Amulett und das Mädchen", Hentrich & Hentrich 2019

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