piwik no script img

Kommentar Machtkampf bei VW Klatsche für den Übervater

Kommentar von

Andreas Wyputta

Die Bestätigung von Vorstandschef Winterkorn ist ein Affront gegen Ferdinand Piech. Persönlich gemeint dürfte das aber nicht sein.

K onzernpatriarch Ferdinand Piech hat im Machtpoker bei VW seine größte Niederlage seit Jahrzehnten kassiert: Der innere Kreis des Aufsichtsrats stützt Vorstandschef Martin Winterkorn nicht nur – das Aufsichtsratspräsidium schlägt auch eine Vertragsverlängerung für den seit 2007 amtierenden Manager vor. Mehr noch: Winterkorn sei „der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen“, ließ das Präsidium ausgerechnet am gestrigen 78. Geburtstag von Piech über die Wolfsburger VW-Pressestelle verbreiten.

Dabei hatte fast die gesamte Öffentlichkeit auf Piech gewettet: Er sei „auf Distanz zu Winterkorn“, hatte der Maschinenbauingenieur am vergangenen Wochenende über den Spiegel verkündet. Damit schien klar, dass Piech Winterkorn ebenso abservieren würde wie dessen Vorgänger Bernd Pischetsrieder. Der war von 2002 bis 2006 VW-Chef – und musste gehen, nachdem Piech erkannt hatte, „den Falschen gewählt zu haben“.

Denn Aufsichtsratschef Piech ist bei VW nicht irgendein Oberaufseher. Der Österreicher ist ein Enkel des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche, hat als Konstrukteur für Daimler gearbeitet und als Audi-Vorstandschef amtiert. Außerdem hält der Clan der Porsches und Piechs 51 Prozent der Anteile, was der Familie überwältigen Einfluss auf den zweitgrößten Autobauer der Welt mit seinen mehr als 600.000 Mitarbeitern sichert.

Unter denen gibt es viele, die Piech gleichsam vergöttern. Schließlich war der bis 2001 selbst VW-Vorstandschef – und gilt als Retter des Konzerns, der zu Piechs Amtsantritt 1993 tief in den roten Zahlen steckte. Entsprechend gut war auch das Verhältnis des Patriarchen zur Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat: In der Vergangenheit hat es Piech immer wieder verstanden, in dem Kontrollgremium Betriebsräte und Gewerkschafter auf seine Seite zu ziehen.

Stütze für strukturschwache Region

Denn die sind wichtig: Von den 20 VW-Aufsichtsräten sind zehn Arbeitnehmervertreter. Hinzu kommen die Stimmen von Niedersachsens SPD-Ministerpäsident Stephan Weil und seinem Wirtschaftsminister Olaf Lies – das Land hält 20 Prozent des Wolfsburger Unternehmens. Sie alle dürften kein Interesse an einer Demontage Winterkorns haben, dem vor allen die auch im Vergleich mit Töchtern wie Skoda geringe Umsatzrendite der Kernmarke VW von 2,5 Prozent angelastet wird.

Grund dafür ist das Festhalten des Konzerns an Fabriken in der lohnkostenintensiven Bundesrepublik. Noch baut VW etwa in Emden Autos und erhält damit eine ganze Region an der strukturschwachen Küste am Leben. Die einfachste Alternative für mögliche Winterkorn-Nachfolger wäre eine noch stärkere Produktionsverlagerung in Niedriglohnregionen – doch daran können Arbeitnehmervertreter nicht nur aus Wolfsburg ebensowenig Interesse haben wie das Land Niedersachsen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Andreas Wyputta Inlandskorrespondent

Mehr zum Thema

6 Kommentare

 / 
  • Trango

    Piëch ist Wiederholungstäter.

     

    Der BGH attestierte Piëch bereits im Jahr 2012, er habe (als Aufsichtrat der Porsche SE) durch öffentliche Meinungsäußerungen im Rahmen eines unternehmensinternen Konflikts die Kreditwürdigkeit der Gesellschaft gefährdet und damit grundsätzlich seine Treuepflicht dieser gegenüber verletzt.

     

    Passiert ist damals schon nichts, auch hier wird ihn der Aufsichtsrat schonen...

  • Rainer B.

    Piech hat sich meines Wissens nach bislang gar nicht darüber geäußert, warum er auf Distanz zu Winterkorn geht. VW hat mit Winterkorn auf einem mehr und mehr schwierigen Weltmarkt stetige Zuwächse verzeichnen können. Der amerikanische Markt hat aber allmählich seine Sättigungsgrenze erreicht. Mit Billigautos wird man da sowieso keinen Fisch mehr vom Teller ziehen können. Was immer läuft, ist Qualität und Zuverlässigkeit. Warum Winterkorn das nicht weiter befördern können soll, erschließt sich nicht. Mit derartigen Hahnenkämpfen verkauft man kein einziges Auto.

    • Gabriel Renoir

      @Rainer B.:

      Es geht um die miese Rendite von VW.

      • Rainer B.

        @Gabriel Renoir:

        Und was soll die mit der Person Winterkorn zu tun haben?

  • Gabriel Renoir

    Piech hat VW gerettet.

  • Jürgen Gerdom

    Off topic: Ich finde ja schon immer, dass man dem Pïech viel deutlicher als den anderen in der Liga den Soziopath auf den ersten Blick ansieht.