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Kommentar Libyen Neue Stabilität erblüht nicht spontan

Dominic Johnson

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Dominic Johnson

Der Bericht des UN-Menschenrechtsrats ist eine gute Grundlage für die Libyer, um Aufarbeitung, Aufklärung und Versöhnung ihrer Geschichte zu unterstützen.

N och immer sucht das befreite Libyen nach einer neuen, funktionierenden Staatsform. Nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes im vergangenen Jahr zeigte sich, wie viel verbrannte Erde der tote Revolutionsführer in allen Bereichen des politischen Lebens hinterlassen hat. Es gibt so wenig Erfahrung mit regulären Institutionen, dass neue Stabilität nicht spontan aus den Ruinen des alten Regimes erblühen kann. Stattdessen hat der Bürgerkrieg eine Vielzahl bewaffneter Akteure hinterlassen, deren Vorstellungen einer Neuordnung nicht unter einen Hut zu bringen sind.

Die Gefahr, dass Libyen nach Gaddafi im Dauerchaos versinkt wie Somalia vor zwanzig Jahren nach dem Sturz des Diktators Siad Barre, ist keineswegs gebannt, wie jetzt auch die Autonomiebestrebungen in der Region Cyrenaica im Osten des Landes zeigen.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, keine Legenden über die düstere Vergangenheit entstehen zu lassen. Die objektive Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen nach der Überwindung einer Diktatur gehört zu den schwierigsten und zugleich unverzichtbaren Aufgaben einer neuen Regierung.

DOMINIC JOHNSON

ist Co-Leiter im Auslandsressort der taz.

Internationale Unterstützung ist dabei wichtig: durch den Austausch von Erfahrungen, die etwa Deutschland, Südafrika und Chile bei der Bewältigung ihrer Vergangenheit gemacht haben; und bei der Wahrheitsfindung. Zu dieser kann der Internationale Strafgerichtshof beitragen, er ist aber auch schnell überfordert und für innergesellschaftliche Bewältigung eher ungeeignet.

Insofern ist die Arbeit der Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats zu Libyen zu begrüßen – und sie sollte als Grundlage dafür dienen, in Libyen selbst Prozesse der Aufarbeitung, Aufklärung und Versöhnung zu unterstützen. Dazu gehört auch eine viel intensivere internationale Mitarbeit bei einem Staatsaufbau, der die Interessen aller libyschen Parteien und Bevölkerungsgruppen einbezieht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Dominic Johnson

Dominic Johnson Ressortleiter Ausland

Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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