piwik no script img

Kommentar Hightech für ReicheTechnik-Avantgarde und PC-Analphabeten

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

In der Computernutzung bei Kindern spaltet sich die Gesellschaft. Kommunikatonstechnologien haben die Kluft zwischen Arm und Reich noch vertieft.

Ob Google wirklich doof macht, wie ein Nachrichtenmagazin derzeit auf seiner Titelseite fragt, sei einmal dahingestellt. Sicher ist, dass als dumm abgestempelt wird, wer heute nicht mit dem Internet umzugehen weiß. Zwar gibt es durchaus noch Minister und sogar Unternehmenschefs, auf die das zutrifft. Doch sie geben sich zumindest der Lächerlichkeit preis, wenn man sie als IT-Laien outet.

Daniel Bax ist Meinungsredakteur der taz.

Für die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gehören Computer und Handy längst ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag, wie eine aktuelle Studie zum Freizeit- und Konsumverhalten von 6- bis 13-Jährigen ergeben hat. Sie sind die Technik-Avantgarde von morgen. Allerdings zeigt die Studie auch deutliche Unterschiede auf, was die soziale Herkunft betrifft. Während fast alle Kinder aus wohlhabenden Elternhäusern daheim einen Computer nutzen können, trifft das in einkommensschwächeren Haushalten lediglich auf zwei Drittel der Befragten zu. Schon im Kindesalter spaltet sich die Gesellschaft damit in eine Wissenselite - und eine Art Informationsproletariat.

Der britische Historiker Paul Kennedy hat dieses Phänomen einmal als "electronic gap" bezeichnet. Statt gesellschaftliche Ungleichheiten zu überwinden, haben die neuen Kommunikationstechnologien die Kluft zwischen Arm und Reichen sogar noch vertieft. Mögen Kulturpessimisten auch beklagen, dass manche Jugendliche ihre Zeit mit Computerspielen oder Internet-Chats verdaddeln. Schlimmer noch ist es, gar keinen Zugang zu einem Rechner zu besitzen. Denn in einer Wissensgesellschaft, in der Computerkenntnisse zum Allgemeinwissen gehören, wirkt sich PC-Analphabetismus negativ auf Berufs- und Bildungschancen sowie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aus.

Schulen, Universitäten, Kitas und Büchereien müssen darum einfachen Zugang zu PC und Internet gewährleisten. Aber ob das reicht, um die Kluft zu schließen? Der Deutsche Sozialgerichtstag dürfte da skeptisch sein. Er beklagt, dass viele Hartz-IV-Empfänger derzeit nicht einmal wissen, wie sie Schulbücher, Hefte, Stifte und andere Pflichtmaterialien für ihre Kinder bezahlen sollen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Daniel Bax

Daniel Bax Redakteur

Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin
Mehr zum Thema

0 Kommentare