piwik no script img

Kommentar Friedensgespräche ZypernNicht ohne die Türkei

Kommentar von

Klaus Hillenbrand

In Genf beginnen Friedensverhandlungen für Zypern. Ohne Zustimmung Ankaras wird eine wirkliche Lösung für den geteilten Inselstaat nicht zu haben sein.

A n gutem Willen fehlt es nicht auf dem Weg zum Frieden auf Zypern. Die beiden Präsidenten von Inselgriechen und Türken, Nikos Anastasiades und Mustafa Akıncı, sind keine verknöcherten Nationalisten alter Schule, sondern ehrlich um eine politische Vereinigung ihrer Insel bemüht. Die UN hat sich über Jahrzehnte um eine Konfliktlösung bemüht und wird dies auch jetzt tun. Die Europäische Union wäre glücklich, wenn in ihrem Mitgliedstaat endlich stabile Verhältnisse bestehen. Fast 13 Jahre nach dem letzten Versuch, aus zwei verfeindeten Ländern einen gemeinsamen Bundesstaat zu bilden, scheinen die Chancen hervorragend zu sein.

Wenn der Schein da nicht trügt. Denn die zypriotischen Gesprächspartner mögen sich einig werden. Doch in Genf müssen eben nicht nur die Insulaner Friedenswillen in diesem über mehr als 50 Jahre währenden und mittlerweile eingefrorenen Konflikt beweisen. Ohne eine Zustimmung der Türkei, die zugleich als Schutzmacht und Besatzer der türkischen Zyprioten auftritt, wird eine wirkliche Lösung nicht zu haben sein. Und das hieße, dass Ankara zumindest einen Teil ihrer Soldaten dort abzieht und auf ein militärisches Interventionsrecht verzichtet.

Der türkische Präsident Rezep Tayyip Erdoğan hat derzeit andere Prioritäten. Er will durch Einführung eines Präsidialsystems seine Macht stärken. Dazu aber ist ihm die Zustimmung der türkischen Nationalisten und Chauvinisten willkommen, für die eine Preisgabe Nordzyperns einem Verrat an den nationalen Interessen gleichkämen. Deshalb ist es mehr als unwahrscheinlich, dass Erdoğan einem Abzug seiner Soldaten aus Nordzypern zustimmt.

In diesem Fall blieben zwei Möglichkeiten: Entweder die neue Bundesrepublik Zypern akzeptiert, dass ihre Zukunft vom Wohl und Willen einer regionalen Großmacht abhängt. Oder die Insel bliebe geteilt. Beides sind keine verlockenden Aussichten.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Klaus Hillenbrand taz-Autor

Jahrgang 1957, ist Mitarbeiter der taz und Buchautor. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte und Judenverfolgung. Zuletzt erschien von ihm: "Die geschützte Insel. Das jüdische Auerbach'sche Waisenhaus in Berlin", Hentrich & Hentrich 2024
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Es ist unrichtig, dass die Europäische Union glücklich wäre, wenn Zypern wieder vereint ist. Tatsache ist doch, hätte man Zypern als Auflage vor der Aufnahme in die EU die Einigung der beiden Inselteile gemacht, wäre Zypern schon lange geeint.

    Erst durch die Aufnahme des nur griechischen Teils, in die EU, hat die Spaltung gefestigt. Zur Erinnerung, vor 13 Jahren haben die türkischen Inselbewohner mit Mehrheit für die Einigung gestimmt, die Inselgriechen, nachdem sie in die EU aufgenommen waren, haben hingegen dagegen gestimmt.