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Kommentar ExzellenzinitiativeDie Kluft wird größer

Kommentar von

Lars Klaassen

Deutschland hat zwar jetzt sechs weitere Elite-Unis. Doch mit der millionenschweren Finanzspritze für Spitzenforschung ist nichts gewonnen. Denn vor allem bei der Lehre besteht dringender Bedarf.

D eutschland hat nun sechs weitere "Elite"-Universitäten. In der zweiten Runde der sogenannten Exzellenzinitiative wurde eine millionenschwere Förderung für folgende Hochschulen beschlossen: die TH Aachen, die FU Berlin sowie die Universitäten von Heidelberg, Konstanz, Göttingen und Freiburg. Bis 2011 stehen den glücklichen Gewinnern insgesamt 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung. Mit der staatlichen Förderung soll die Spitzenforschung unterstützt werden. Wirklich gewonnen ist damit aber nichts.

Ernst zu nehmenden Handlungsbedarf haben deutsche Hochschulen bislang mitnichten in der Forschung. Ihr drängendes Problem ist die Lehre. Mit den neu eingeführten Abschlüssen Bachelor und Master wurde auch dort bereits Hand angelegt. Doch die reformierte Studienstruktur ist betreuungsintensiv - und hat den Bedarf an Lehrpersonal noch erhöht. Darüber hinaus rechnet der Deutsche Hochschulverband mit einem Anstieg der Studierendenzahlen von 2 auf 2,7 Millionen. Vor allem für die Jahre 2012 bis 2014 wird ein deutlicher Anstieg erwartet. Die Exzellenzinitiative geht also voll am eigentlichen Bedarf vorbei. Und sie verschärft die anstehenden Probleme in Teilen sogar noch.

Statt die Hochschulen aus dem engen Korsett des Hochschulrahmengesetzes zu befreien und ihnen einen freien Wettbewerb zu ermöglichen, werden einige wenige "Elite"-Universitäten deutlich bevorzugt. Damit wird der Markt, auf dem wissenschaftliche Leistungsträger sich messen, deutlich verzerrt. Die Kluft zwischen armen und reichen Unis geht weiter auseinander. Dasselbe gilt für die Kluft zwischen Lehre und Forschung. Die Exzellenzinitiative für "Spitzenforschung" verstärkt einen seit Jahren beklagten Trend: Die Lehre wird für Wissenschaftler immer unattraktiver.

Die Exzellenzinitiative ist nur ein weiterer Baustein in einem umfassenden und etablierten System der Forschungsförderung. Bestehende Programme für den Lehrbetrieb hingegen dienen lediglich der Sicherung des Status quo und einem möglichst unaufwendigen Durchschleusen von Studentenmassen. Was die deutschen Unis daher brauchen, ist eine systematische Lehrförderung.

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2 Kommentare

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  • RK
    Robb Kvasnak, M.Ed.

    Falls es Euch in Deutschland ein Trost ist, müßt Ihr wissen, dass es nicht nur in Deutschland ein Problem ist. Bei uns hier in Florida sieht es so aus: Der Bundesstaat hat per Gesetz den Studenten der High Schools versprochen, dass wer eine Durchschnittsnote (GPA) von 3.00 (Höchstnote ist 4.0) Anspruch auf einen Platz an einer der 11 staatlichen Universitäten hat. Die konservative (republikanische) Regierung des Bundesstaates hat allerdings die Mittel für sekundäre Erziehung jedes Jahr stärker und stärker gekürzt. Zur Zeit haben wir einen Einstellungsstopp für Lehrkräfte aber eine wachsende Flut Studienwilliger. Die Lösung: Die Unis stellen Teilzeitprofessoren ein, die keine Ansprüche auf Krankenkasse oder andere soziale Einrichtungen haben (ich bin selber einer). Im Dezember werde ich meinen Doktortitel haben, aber die Aussichten für einen festen Lehrauftrag sehen für mich sehr düster aus, obwohl ich eine Durchschnittsnote von 3.92 habe und in einem nachgefragten Fach (Zweitspracherwerb) unterrichte ? nicht weil ich ein schlechter Lehrer wäre sondern viel mehr weil keine Uni das Geld oder staatliche Erlaubnis hat, mich einzustellen!

  • CB
    C. Braun

    Ich verstehe nicht, warum der im Kommentar genannte Wettbewerb so was Tolles sein soll, der jetzt durch die ELitenförderung ja verzerrt würde. Wir brauchen natürlich viel mehr Geld in der Lehre, um Betreuung und Ausstattung zu garantieren, aber wir brauchen sicher keinen Wettbewerb zwischen den Unis - den haben wir ja gerade mit dem Zerren, um die Forschungsgelder gehabt. Und sind wir damit glücklicher - nein. Außerdem fehlt mir hier mal wieder der kritische Gesamtblick: Natürlich ist Bildung Ländersache, aber es ist ja genügend Geld da vermeintliche Eliten zu fördern - wieso dann Studiengebühren? Das Ergebnis dieser unheilvollen Entwicklung ist abzusehen: Magerstudium für die einen (Geistes u. Sozialwissenschaftler) für das sie auch noch zahlen müssen und Elitengehabe für eine kleine wirtschaftsnahe Gruppe...