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Kommentar Europäische Zentralbank Nur nicht Bad Bank werden

Ulrike Herrmann

Kommentar von

Ulrike Herrmann

Es irritiert, wie egomanisch die EZB-Banker ihre eigenen Interessen verfolgen. Denn ein konstruktiver Vorschlag war von ihnen bisher nicht zu hören. Das ist gefährlich.

E s bahnt sich ein Machtkampf an: zwischen der Europäischen Zentralbank und den Regierungen der Eurozone. Denn in immer neuen Interviews gehen die Chefs der Notenbank auf Konfrontationskurs.

Sie wollen keine Umschuldung in Griechenland. Auch Eurobonds seien ausgeschlossen - also Staatsanleihen, die die Euro-Staaten gemeinsam herausbringen würden, um die Spekulation gegen einzelne Länder wie Italien oder Spanien zu unterbinden.

Dieses Veto der Europäischen Zentralbank können die Regierungschefs nicht ignorieren. Denn die Notenbank besitzt ein Machtmittel, auf das sie gern in jedem Interview hinweist: Sie könnte sich weigern, weiterhin griechische Staatsanleihen zu akzeptieren. Dann wären die griechischen Banken sofort pleite, die darauf angewiesen sind, dass sie ihre griechischen Staatsanleihen bei der Europäischen Zentralbank als Sicherheiten hinterlegen können - um dafür Geld für ihre laufenden Geschäfte zu erhalten.

ULRIKE HERRMANN

ist wirtschaftspolitische Korrespondentin der taz.

Die sture Haltung der Zentralbank ist sogar zu verstehen. Sie will nicht zur Bad Bank Europas werden, indem sie griechische Staatsanleihen ins Depot nimmt, die auf den Finanzmärkten rasant an Wert verlieren. Trotzdem irritiert, wie egomanisch die Zentralbanker nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Denn ein konstruktiver Vorschlag war bisher nicht zu hören.

So fällt den Zentralbankern zu Griechenland nur ein, dass die dortige Regierung noch mehr sparen soll. Dabei ist die ganze Diskussion über eine Umschuldung überhaupt nur entbrannt, weil für jeden inzwischen offensichtlich ist, dass schlichtes Sparen nicht reichen wird, damit Griechenland seine Krise überwindet.

Die Europäische Zentralbank ist mächtig - gefährlich mächtig, wenn ihr nicht mehr einfällt als ein Veto.

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Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann Wirtschaftsredakteurin

Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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2 Kommentare

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  • B
    Bajramaj

    Ein überfälliges Lob an U.H. - es scheint mir, dass kaum jemand einen derartigen Durchblick hat wie Sie. Im Fernsehen sowieso nicht (der letzte Presseclub war eine Katastrophe!), im Feuilleton der FAZ dürfen letztens Sarrazin, BHL und R. Murdoch ran, und vielen linken Bloggern/Publizisten fehlt ein wenig das "Insider"-wissen gepaart mit Ihrer Fähigkeit, Zusammenhänge zu erklären. Meine Hoffnung/Rat an Sie: Trauen Sie sich raus! Mut zu größeren Zusammenhängen und mehr Kritik. Dazu ein Blog oder ein neues Buch vielleicht? Halb Europa verfällt in nationalistischen Stumpfsinn und die Leute überbieten sich in Ahnunglosigkeit. Die Welt braucht Sie!

  • B
    Bajramaj

    Ein überfälliges Lob an U.H. - es scheint mir, dass kaum jemand einen derartigen Durchblick hat wie Sie. Im Fernsehen sowieso nicht (der letzte Presseclub war eine Katastrophe!), im Feuilleton der FAZ dürfen letztens Sarrazin, BHL und R. Murdoch ran, und vielen linken Bloggern/Publizisten fehlt ein wenig das "Insider"-wissen gepaart mit Ihrer Fähigkeit, Zusammenhänge zu erklären. Meine Hoffnung/Rat an Sie: Trauen Sie sich raus! Mut zu größeren Zusammenhängen und mehr Kritik. Dazu ein Blog oder ein neues Buch vielleicht? Halb Europa verfällt in nationalistischen Stumpfsinn und die Leute überbieten sich in Ahnunglosigkeit. Die Welt braucht Sie!