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Kommentar Einigung im Tarifkonflikt Teure Halsstarrigkeit der Bahn

Pascal Beucker

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Pascal Beucker

Die Sturheit der Bahnmanager hat Millionen gekostet. Der Tarifstreit hätte früher enden müssen. Aber die Ausdauer der GDL hat sich gelohnt.

D er lange Atem der GDL hat sich gelohnt. Das jetzt zwischen der Lokführergewerkschaft und der Deutschen Bahn ausgehandelte Tarifergebnis zeigt, dass sich Arbeitskämpfe auch heute noch rentieren können.

Mit ihrer Entschlossenheit haben die GDL-Mitglieder den Bahnvorstand zur Aufgabe seiner destruktiven Machtspiele gezwungen. Aus dem kostspieligen Versuch, die unbotmäßige Spartengewerkschaft kleinzukriegen, wurde ein ernsthaftes Ringen um einen fairen Kompromiss. Dass er letztlich gefunden werden konnte, verdankt sich den Schlichtern Bodo Ramelow und Matthias Platzeck.

Mit Ausdauer und Nervenstärke hat es das rot-rote Duo geschafft, die Rationalität in das Verhältnis der Bahn mit der GDL wieder einkehren zu lassen. Die GDL hat ihr Hauptziel erreicht, Tarifverträge für alle ihre Mitglieder des Zugpersonals abzuschließen, also nicht nur für die Lokführer.

Die Bahn muss demgegenüber auch künftig bei der Entlohnung ein und derselben Berufsgruppe nicht nach der Gewerkschaftszugehörigkeit unterscheiden. Bleibt die Gleichbehandlung weiterhin ihr Ziel, können sich auch die Mitglieder der mit der GDL konkurrierenden EVG freuen. Denn dann wird die Bahn auch ihnen eine Reduzierung der Arbeitszeit von 39 auf 38 Stunden ab 2018 anbieten.

Ein Jahr dauerte der Tarifkonflikt. Er hätte schon viel früher beendet werden können, ja müssen. Es spricht nicht für die Kompetenz des Bahnvorstands, dass es erst eines so harten Arbeitskampfes und dann der Überzeugungskraft von Ramelow und Platzeck bedurfte, um endlich zu einer konstruktiven Lösung bereit zu sein.

Rund eine halbe Milliarde Euro hat den staatseigenen Konzern die Halsstarrigkeit seiner Topmanager gekostet. Den Bahnkunden hätten unzählige Streiktage erspart bleiben können.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Pascal Beucker

Pascal Beucker Inlandsredakteur

Jahrgang 1966. Arbeitet seit 2014 als Redakteur im Inlandsressort und gehört dem Parlamentsbüro der taz an. Zuvor fünfzehn Jahre taz-Korrespondent in Nordrhein-Westfalen. Seit 2018 im Vorstand der taz-Genossenschaft. Sein neues Buch "Pazifismus - ein Irrweg?" ist Mitte vergangenen Jahres im Kohlhammer Verlag erschienen.
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2 Kommentare

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  • Anjetta Christner

    Danke. Ist nett, daß das zumindest EINER sagt.

    Nachdem ja nicht nur die gesamte Medienlandschaft, sondern auch die meisten Menschen auf der Strasse es mittlerweile offenbar unerhört finden, daß eine Gewerkschaft es WAGT, zu streiken...

    Das Recht auf Rücksichtslosigkeit bei der Verfolgung eigener Interessen ist heutzutage anscheinend exklusiv für Arbeitgeber und vor allem für multinationale Konzerne reserviert.

  • Ulrich Frank

    Die Bahn AG könnte auch ihre Halsstarrigkeit in punkto Stuttgart 21 aufgeben und zur Vernunft kommen. Diese Halsstarrigkeit wird - letztendlich die Steuerzahler und Bahnfahrer - noch viele Milliarden EUR kosten, auch hinsichtlich Folgekosten. Leider wird man da umso halsstarriger sein da noch einer ganzen Riege involvierter inkompetenter Politiker Gesichtsverlust droht.