piwik no script img

Kommentar Drei-Religionen-SchuleDas Konzept ist etwas dünn

Gernot Knödler

Kommentar von

Gernot Knödler

Mit der Drei-Religionen-Schule hat die Kirche einen Weg gefunden, den Daumen auf die religiöse Erziehung zu halten.

D ie Kritik der LehrerInnen der bisherigen Johannisschule in Osnabrück klingt nachvollziehbar: Das Konzept, mit dem die Drei-Religionen-Schule propagiert wird, ist ziemlich dünn. Der Verdacht liegt nahe, dass die Kirche einen Weg gesucht und gefunden hat, den Daumen auf die religiöse Erziehung zu halten.

Denn was ist eigentlich neu an der Drei-Religionen-Schule? Zumindest Islamunterricht soll es ab 2012 bei ausreichenden Schülerzahlen überall in Niedersachsen geben. Die religiösen Feste werden in multikulturellen Klassen fast zwangsläufig zum Thema, und Inklusion wird staatlicherseits gefordert.

Das Argument, dass möglicherweise nicht die Religion die treibende Kraft für die Trennung der Gruppen ist, sondern die Sprache, ist bedenkenswert. Die Religion dürfte eher ein Instrument sein, um Abgrenzung zu manifestieren und die „eigenen“ Reihen geschlossen zu halten.

Ob konfessioneller Religionsunterricht das Mittel der Wahl ist, dem gegenzusteuern, ist die Frage. Denn dabei darf jede Religion ihr Gärtlein pflegen. Ob die Schüler von den Früchten des Nachbargartens kosten können, bleibt dem Zufall überlassen.

Hamburg geht mit seinem interkonfessionellen Religionsunterricht einen anderen Weg. Der Unterricht hat die Aufgabe, über die Religionen zu informieren und deren Positionen zu diskutieren. Die Kinder in das religiöse Leben einzuführen, bleibt den Gemeinden vorbehalten.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Gernot Knödler

Gernot Knödler Hamburg-Redakteur

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • WB
    Wolfgang Banse

    100Tage Frist abwarten

    Die ersten 100 Tage der drei Religionenschule sollte abgewartet werden,um zu sehen wo der Weg hin geht ,bevor man mit der konstruktiven

    Kritik beginnen sollte.