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Kommentar Chinas Euro-Hilfsangebot Wir Exportabhängigen

Kommentar von

Nicola Liebert

Die chinesische Wirtschaft braucht die westlichen Absatzmärkte. Deshalb greift man den Handelspartnern unter die Arme – nicht etwa als Beweis des Vertrauens.

D as taugt als Symbol der neuen Weltordnung: Das unter den Druck der Finanzmärkte geratene Euroland Italien hofft auf Geld nicht etwa vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und schon gar nicht aus den USA - sondern aus dem Schwellenland China. Dessen vor Reichtum strotzender Staatsfonds soll italienische Anleihen kaufen, die sonst kaum noch ein Anleger will, und auch sonst in Italien investieren.

Was aber treibt das aufstrebende China dazu, in marode europäische Volkswirtschaften zu investieren? Es ist derselbe Grund, der Peking dazu getrieben hat, massenhaft US-Staatsanleihen zu kaufen und so die gigantischen Defizite dieses Landes zu finanzieren: Die chinesische Wirtschaft braucht die westlichen Absatzmärkte. Deshalb greift man den Handelspartnern unter die Arme.

Es ist also mitnichten ein Beweis des Vertrauens in den Euro, wenn sich China jetzt in Euroland engagiert. Hinter dem Hilfsangebot steht vielmehr die Angst eines Staates, dessen Wirtschaft allzu abhängig ist vom Export in die Länder der europäischen Gemeinschaftswährung. Dafür spricht die Bedingung, die Peking für seine Hilfe stellt: Die EU soll künftig auf Klagen wegen Dumpings verzichten.

NICOLA LIEBERT

schreibt für die taz.

Es gibt ein anderes Land auf der Welt, das die gleiche Wirtschaftsstrategie fährt wie China und die gleichen Probleme damit bekommen dürfte: Deutschland. Fragt sich, wann es sich hier herumspricht, dass man die angeblich ach so undisziplinierten europäischen Schuldnerländer - immerhin die wichtigsten Handelspartner der Deutschen - nicht einfach vor die Hunde gehen lassen sollte.

Um den europäischen Krisenländern unter die Arme zu greifen, wird viel mehr nötig sein, als immer härtere Sparforderungen zu stellen und ansonsten auf einen fernöstlichen Deus ex Machina zu hoffen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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1 Kommentar

 / 
  • V
    Verstand

    Wenn ein Staat wie Griechenland oder Italien Pleite geht, so geht er noch lange nicht "vor die Hunde". Was passieren wird, ist nur GENAU DAS, was sinnvollerweise passieren sollte, um der Gerechtigkeit und dem gesunden Menschenverstand zu entsprechen:

     

    1. Es werden keine Wucherzinsen an Herrn Ackermann und Co mehr gezahlt, es sei denn der ganze Haufen einigt sich auf einen mindestens 50-prozentigen Schuldenschnitt.

     

    2. Das wird die Banken soviel Geld kosten, dass man sie am geschicktesten gleich (so wie Schweden einst) in Staatshand übergehen lässt, um sie zu sanieren und dann die Aktien gegen gutes Geld in würdigere Hände zu geben.

     

    3. Die Versicherungen werden ebenfalls leiden. Das wird uns Deutschen klarmachen, dass es Schwachsinn ist, zu glauben, dass Griechenland, Italien oder China unsere Altersvorsorge leisten werden. Das sicherste dafür sind Investitionen in Deutschland.

     

    4. Wenn Versicherungen sogar pleitegehen sollten, ist es vielleicht eine gute Gelegenheit, viel zu hohe garantierte Versicherungssummen (zeitweise 4%!) auf ein vernünftiges Maß zurückzufahren.

     

    4. Es werden nicht mehr so viele deutsche Autos auf Pump gekauft werden (Idiotisch, oder? Wir bauen das Zeug und bezahlen es dann noch für andere.) Eine herrliche Gelegenheit, um unsere viel zu große Autoindustrie auf ein sinnvolles Maß zu stutzen.

     

    Nichts davon ist schmerzfrei, aber alles macht Sinn. Und das schönste daran ist, dass man sich dafür nur an bestehende Gesetze und Regelwerke halten muss, anstatt sie andauernd zu brechen.