Kommentar Bluttest: Mein Blut gehört mir
Eigentlich reichen Lebenslauf und Arbeitsproben für die Bewerbung. Doch immer mehr Unternehmen verlangen Blutproben. Mit dem neuen Datenschutzgesetz muss das weniger werden.
N ormal ist es, zur Jobbewerbung eine Mappe mit Lebenslauf und Arbeitsproben einzureichen. Genauso normal, wenn auch weniger bekannt ist es offenbar, dass Unternehmen auch einen Bluttest verlangen. Daimler, Merck, Beiersdorf und jetzt der Norddeutsche Rundfunk - unnötig greifen die Unternehmen in die Privatsphäre derjenigen ein, die bei ihnen arbeiten wollen.
Früher waren Bluttests kein öffentliches Thema. Die Erkenntnis, dass private Daten geschützt werden müssen, ist erst durch die allgegenwärtige globale Kommunikation gereift. Auf diesen Bedeutungszuwachs des Datenschutzes haben sich bislang aber weder die Firmen noch die Politik ausreichend eingestellt.
Warum testen manche Unternehmen das Blut ihrer Bewerber überhaupt? Die schlichte Antwort dürfte in meist Fällen lauten: Weil man es eben schon immer so gemacht hat. Ein Bluttest gehört zur medizinischen Jobuntersuchung wie der Blick in den Allerwertesten beim Musterungsarzt der Bundeswehr - entwürdigend, überflüssig, sinnlos. Obwohl man in der Regel nicht unterstellen kann, dass die Unternehmen ihre Erkenntnisse missbrauchen wollen. Sie wissen in den meisten Fällen gar nichts damit anzufangen; die Daten gammeln nur in den Speichern der Betriebsärzte.
Allerdings birgt die Spitzelei aus Gewohnheit eine latente Gefahr des Missbrauchs. Denn die Blutwerte sind eine wahre Fundgrube für Manager, die doch gerne ein paar Infos über ihre Beschäftigten hätten. Gendefekte, Schwangerschaft, der Joint vom Vorabend - alles ist aufgelistet und wartet auf den Leser.
Deshalb sollten die Firmen schleunigst auf regelmäßige Bluttests verzichten. Untersuchungen in begrenzten Ausnahmefällen reichen allemal. Wenn die Regierung demnächst, wie geplant, das neue Datenschutzgesetz für Arbeitnehmer formuliert, hat sie eine Möglichkeit, diese Selbstbeschränkung zu unterstützen.
Nur noch 430 – dann sind wir 50.000
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 430 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert