piwik no script img

Kommentar Antiradikalisierungs-PläneBespitzelung geht nicht

Kommentar von

Petra Schellen

Es wäre interessant zu wissen, wie die muslimischen Communities selbst gegen radikale Tendenzen vorgehen. Darüber erfährt man leider wenig, obwohl dies in den Gemeinden vermutlich diskutiert wird

N atürlich ist nicht hinzunehmen, dass irgendwer – sei er Muslim oder nicht – in der Schule und am Arbeitsplatz beobachtet und eventuell dem Staat gemeldet wird. Ein solches Prozedere kommt einer Gesinnungspolizei gleich, die mit Demokratie nichts zu tun hat.

Insofern haben die niedersächsischen muslimischen Verbände recht, wenn sie diese brachialpsychologischen „Antiradikalisierungs“-Pläne von Innenminister Schünemann ablehnen. Auch das Argument, sie seien vom Schünemann-Konzept überrollt wurden, ist nicht von der Hand zu weisen.

Trotzdem wäre interessant zu wissen, wie die muslimischen Communities selbst gegen radikale Tendenzen vorgehen. Darüber erfährt man leider wenig, obwohl dies in den Gemeinden vermutlich diskutiert wird – und es da sicher nicht nur um die Braunschweiger Salafisten geht, gegen die man sich bereits positionierte.

Vielleicht ist die Diskussion unter den Muslimen sogar längst weiter, als wir Außenstehende wissen; vielleicht laufen längst interne Aussteiger-Projekte, und es gibt erste Erfolge.

Hiervon zu erfahren wäre wünschenswert. Voraussetzung für einen solchen Dialog wäre allerdings ein exquisites Vertrauensverhältnis zwischen muslimischen Gemeinschaften und den deutschen Institutionen. Hieran gebricht es. Und Bespitzelungspläne wie der aktuelle Schünemann’sche sind nicht geeignet, es herzustellen.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 290 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Petra Schellen Redakteurin

Seit 2000 Redakteurin der taz am Standort Hamburg. Schwerpunkte: Kultur, Zeitgeschichte, Erinnerungskultur, Kolonialismus
Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • MH
    Mario H.

    Wenn ich mir die Union anschaue, frage ich mich viel eher, wann die denn endlich gegen die Radikalen in der eigenen Partei umgeht. Freilich sind das alles Rechte und das sind die Guten.

    Auf der anderen Seite kommen die meisten Demokratieabbauprogramme aus dieser Ecke.

  • MH
    Mario H.

    Wenn ich mir die Union anschaue, frage ich mich viel eher, wann die denn endlich gegen die Radikalen in der eigenen Partei umgeht. Freilich sind das alles Rechte und das sind die Guten.

    Auf der anderen Seite kommen die meisten Demokratieabbauprogramme aus dieser Ecke.