Kommentar Angriffe in Pakistan : Im Zangengriff der Islamisten
Der Krieg in Afghanistan hat sich längst schon auf Pakistan ausgedehnt. Die Versorgung der Natotruppen ist jetzt auch über Pakistan nicht mehr mehr sicher.
E rneut haben mutmaßliche Taliban-Kämpfer im Nordwesten Pakistans ein Nachschubdepot von Nato- und US-Truppen angegriffen und bei Peschawar zahlreiche Militärfahrzeuge zerstört. Diese Angriffe bedeuten eine weitere Eskalation im Krieg um Afghanistan, der sich längst auf pakistanisches Territorium ausgeweitet hat. Nicht nur die Dörfer entlang der Grenze zählen jetzt zur Kampfzone dazu, sondern auch die Dreimillionenstadt Peshawar.
Bisher waren es die US-Truppen, die Pakistans autonome Stammesregionen im Grenzgebiet zu Afghanistan mit ihren Raketenangriffen ins Visier nahmen, um damit die Rückzugsgebiete der Taliban zu treffen. Das Risiko, Pakistan zu destabiliseren, nahmen sie dabei billigend in Kauf. Jetzt zeigen die Islamisten, dass es auch für die Nato keine sicheren Nachschubwege mehr gibt - und dass Pakistan für sie jetzt Feindesland ist.
Die Angriffe auf die Depots machen zudem deutlich, wie unbeliebt die Zusammenarbeit der pakistanischen Regierung mit Nato und US-Armee in Pakistan selbst ist. Die Regierung in Islamabad probte lange Zeit den Spagat, indem sie die Aktivitäten militanter Islamisten auf ihrem Boden für eigene Zwecke zu instrumentalisieren versuchte. Die Attentate von Mumbai zwingen die zivile Regierung jetzt jedoch dazu, Farbe zu bekennen. Mit der Razzia in einem Lager der Dschamaat-ud-Dawa, einem Zweig der Terrorgruppe Laschkar-i-Taiba, und der Festnahme eines Verdächtigen, der von Indien als Drahtzieher des Terrors beschuldigt wird, will man Delhi und Washington entgegenkommen. Ob dies bereits eine Wende in der bisherigen Politik bedeutet, ist aber offen. Zu oft schon wurden in Pakistan militante Islamisten festgenommen, wenn es außenpolitisch opportun schien, und nach kurzer Zeit wieder freigelassen.
Noch ist nicht klar, ob sich die zivile Regierung wirklich gegen jene islamistischen Kräfte durchsetzen kann, die den Konflikt mit Indien und dem Westen suchen. Sie muss es aber versuchen. Sonst droht Pakistan in diesem Kampf zwischen den Fronten zerrieben zu werden.
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