Kommentar Äthiopien : Was macht die Entwicklungspolitik?
Bisher hat noch jeder Personalwechsel an der äthiopischen Staatsspitze zu einem Systemwechsel geführt. Elastisches Denken ist gefordert – auch für Entwicklungspolitiker.
D er Tod des äthiopischen Regierungschefs Meles Zenawi ist für Afrika von großer Bedeutung. Äthiopien ist eines der wichtigsten Länder des Kontinents; sein Entwicklungsweg, der nach dem chinesischen Modell politischen Autoritarismus mit ökonomischer Experimentierfreudigkeit kombiniert, gilt als Erfolg. Auch wenn Menschenrechte systematisch missachtet werden.
Mit Meles Zenawi stirbt erstmals ein Staatslenker aus der Generation postkolonialer afrikanischer Befreiungsbewegungen, die mit der Waffe in der Hand die Macht gegen ihre eigenen Landsleute erkämpften und seither ihre Länder umkrempeln.
Ob der Äthiopier Meles, der Ruander Paul Kagame oder der Ugander Yoweri Museveni: Es geht ihnen nicht um persönliche Bereicherung, sondern darum, sich als Gründerväter einer neuen Zeit in die Geschichtsbücher einzutragen. Die ökonomische Unabhängigkeit ist ihr wichtigstes Ziel; die eigenen Bevölkerungen sollen sich den Fernzielen unterordnen, statt sich in unproduktivem politischem Disput zu verzetteln.
Es ist international heiß umstritten, ob solche Systeme ihre Erfinder überleben können. In Äthiopien wird sich das jetzt zeigen. Bisher hat noch jeder Personalwechsel an der äthiopischen Staatsspitze zu einem Systemwechsel geführt.
Dies ist auch eine Herausforderung für internationale Partner, die den afrikanischen Modernisierern bislang großzügig unter die Arme greifen, weil sie die ehrgeizigen Ziele für Afrika teilen.
Gerade im Falle Äthiopien, wo die Regierung Kritik von außen immer brüsker abweist, erfordert dies ein sehr elastisches Denken, das meist nur durch das unerschütterliche Vertrauen in die Integrität der Person an der Staatsspitze zusammengehalten wird. Was ist, wenn diese nicht mehr da ist? Nicht nur für Entwicklungspolitiker brechen spannende Zeiten an.
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