Kolumne Wichtig

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Die „Welt“ setzt den Feminismus aufs Klo und spült ihn mit Dünnschiss runter. Und nein, ihr sabbernden Männer, wir wischen den Mist jetzt nicht weg.

Hier wäre einiges trockenzuwischen, machen wir aber nicht. Bild: photocase/Pippilotta*

Schön ist, dass sich Frau Seyboldt nicht immer schön finden kann. Aber ist das wichtig? Fettige Haare oder Fettleibigkeit? Ist das nicht wurscht? Penis-Ping-Pong? Muss mich das interessieren? Vulvaförmiges Stadion? Darf mich das kalt lassen? Racheporno-Webseiten? Was tue ich, wenn mich das langweilt und ich mich lieber auf fliegenden Schinkenbroten davonmachen möchte?

Wem das alles egal ist, der sollte besser mit dem Journalismus aufhören, Ladenhüter schreiben oder Youtube-Star werden. Wenn einen das alles langweilt, sollte man besser keine Gender-Debatten als Klickmonster konstruieren – wie jüngst die Welt –, sondern sich wie Kazim Akboga mit seinem Lied „Is mir egal“ zum Klickmonster machen: „Keine Arbeit. Is mir egal. Zweite Mahnung. Is mir egal. Roboter mit Senf. Is mir egal. Keine Ahnung. Is mir egal. Keine Frau. Is mir egal. Diese Lied scheiße. Is mir egal.“

Unter den Titeln: „Ja“, „Nein“, „Vielleicht“, „Egal“ hatte die Welt Radikalpositionen zur „Feminismusdebatte“ veröffentlicht. Die Aufgabenstellung lautete offenbar, den Feminismus aufs Klo zu setzen, ihn mit möglichst viel Dünnschiss runterzuspülen, auf dass alles verstopft, die braune Soße überläuft und alle Umstehenden in der klumpigen Brühe rumstehen und sich beschweren und trocken wischen müssen.

Viel Aufregung gab es um den Beitrag „Warum mich der Feminismus anekelt“. Der „Ekel“ diente freilich nur dazu, dass der Text auch gelesen wird. Sollte man sogar tun, denn er ist an einigen Stellen besser als seine Überschrift, auch wenn es ordentlicher Dünnpfiff ist, dass der Feminismus früher mal wichtig und heute nur noch die Sache schlecht gelaunter, „unterprivilegierter“ Frauen ist, der im Flur steht und darauf wartet, dass ihm ein Mann die Tür öffnet.

Schätze, die Autorin weiß, wer ihr die Tür zu ihrem neuen Job geöffnet hat, und auch, wer ihr die Tür vor der Nase zuschlägt, wenn sie sich auf den Ressortleiterstuhl setzen will. Aber was soll’s, in ein paar Jahren kann sie sagen, dass das alles Jugendsünden waren, zu denen sie ihre Chefs überredet haben, die nur auf Klicks aus waren und sie als freches, junges Ding missbraucht haben.

Doris Akrap antwortet hier auf die Kolume von Franziska Seyboldt. Für die längste taz-Kolumne aller Zeiten wechseln sich sechs AutorInnen täglich ab. Bisher erschienen: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8

Man würde gerne über die Texte aus dieser Reihe so denken wie der einzige Mann in dieser Debattenreihe über den Feminismus: „aus tiefstem Herzen gleichgültig“. Das kann man nur nicht. Weil einem das Leben nun mal nicht gleichgültig sein kann, egal in welche privilegierte oder unterprivilegierte Position man sich hochgearbeitet oder runtergeschlafen hat.

Den Männern, die nun danach lechzen, dass irgendeine gescheite Frau diesen Mist wieder wegwischt, kann man nur sagen: Wer zu viel sabbert, rutscht schnell mal auf dem eigenen Sabber aus, wenn man ihm kein Lätzchen umbindet. Diese Kolumne aber ist nicht dazu da, irgendjemandem ein Lätzchen umzubinden.

Die „Radikalpositionen“ der Welt kann man nur als Antwort auf die Wichtig-Kolumne der Gedöns-taz lesen. Hier geht’s zur Sache. Herr Rüttenauer, übernehmen Sie.

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seit 2008 Redakteurin der taz, seit 2012 taz.am Wochenende, davor Redakteurin bei „Jungle World“ und „Sport-BZ“

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