Kolumne Wichtig

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Der Name Aberto Alessi haftet wie ein hartnäckiger Fleck auf dem T-Shirt. Und de Maizière, der kommt so sauber daher. Der ist gut im Wegwischen.

Getroffen. Bild: 106313/photocase

Lieber Schwul, diesen Armani habe ich schon mal irgendwo gesehen in einem seiner engen Höschen, und, lieber Schwuler, diesen Versace, glaube ich, auch. Viel fällt mir zu denen nicht ein. Deshalb hier ein paar Worte zu einem, der auch so einen Namen hat und dafür sorgt, dass Dinge aussehen. Wie Alberto Alessi aussieht, weiß ich allerdings nicht. Aber er hat mein Leben verändert. Es ist schon ein wenig her, dass Einladungen zu einer Hochzeit in meinem Leben noch ziemlich ungewöhnlich waren. Geheiratet haben die anderen, wir doch nicht.

Und dann hat es doch einer getan. Und als ich ihn angerufen habe, um mich zu beschweren, dass er von den Gästen verlangt in Anzug und Krawatte zu erscheinen, wollte ich noch wissen, was er sich eigentlich wünscht zu seiner Hochzeit. Da höre ich, wie seine – Verlobte sagt man da dann wohl – durch den Raum brüllt: „Sag ihm, irgendwas vom Alessi!“

Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr. Und ich ärgere mich immer noch regelmäßig über dieses Telefonat. Nicht weil es das Ende einer vielleicht gar nicht so wunderbaren Freundschaft war, sondern weil ich mich seinerzeit dabei ertappt habe, einen Satz zu denken, den man vielleicht nicht denken sollte: „Er ist ja ganz nett, aber sie!“ Diesen Satz höre ich regelmäßig und frage mich dann immer, warum ich noch nie, wirklich noch nie den Satz gehört habe: „Sie ist ja ganz nett, aber er!“ Ich habe ihn auch noch nie gesagt. Und immer wenn mir das einfällt, denke ich an Alberto Alessi.

Er ist wie ein Fleck auf meinem T-Shirt, den ich nicht einfach abstauben kann, wie Puderzucker von der Hose, lieber Schwuler. Es ist einer dieser Flecken, an denen ich regelmäßig rumschrubbe, mit dem Ergebnis, dass er immer größer wird und auch nach einer 30-Grad-Wäsche in der Maschine nicht weichen will.

Geht einfach nicht weg

Vielleicht kennt das ja der eine oder die andere, die sich schon einmal gefreut haben, vor einem wichtigen Termin noch ein wenig Zeit zu haben für einen Kaffee in der nächsten Bude, und sich kurz darauf geärgert haben, dass ein Milchspritzer auf dem sorgfältig ausgewählten Outfit gelandet ist. Man kriegt so einen Fleck einfach nicht weg.

Andreas Rüttenauer antworten hier auf die Kolumne von Schwul und Schwuler.

Für die längste taz-Kolumne aller Zeiten wechseln sich sechs AutorInnen täglich ab. Bisher erschienen: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11, Teil 12, Teil 13, Teil 14, Teil 15, Teil 16, Teil 17.

So etwas wünschte man auch mal einem wie Thomas de Maizière. Der Mann kommt so sauber daher, dass es einem angst und bange wird. Da können noch so viele Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa ersaufen, der Mann hat nicht den kleinsten Fleck auf seinem Sakko. Oder ist er der einzige Mensch auf diesem Globus, der es schafft, die unangenehmen Flecken wirklich spurenlos zu beseitigen? Mit seinen Mitteln.

Abwehr, abhören, Schlepper jagen. Und wenn es sein muss, dann lässt er Menschen in einem Land einkerkern, das als Staat schon lange nicht mehr funktioniert. Und wenn dann immer noch ein kleiner Fleckenrand auf dem Revers ist, dann schafft er es auch noch, die Vorratsdatenspeicherung als Lösung für die Flüchtlingsproblematik zu präsentieren. Schon ist der Kerl am ganzen Körper wieder sauber wie irgendwas von Alessi, wenn man es aus dem Karton zieht.

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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