Kolumne So nicht

Der Kampf ums gelbe Trikot

Die Debatten über den G20-Gipfel sind wie die Tour de France: viele Teams, viele Tiefs und viele Turbulenzen.

Polizisten bei den G20-Protesten in Hamburg, am Boden liegen Fahrräder

„Team Distanzierung“ holt alle drei Bergwertungen. Aber „Team Polizei“ schiebt sich auf Platz 1 Foto: reuters

Die G20-Debatte ist wie Tour de France gucken. Es geht hoch und runter, auf und ab, steil nach oben, fies nach unten.

1. Etappe

„Team Polizei“ setzt auf Offensive und attackiert früh. Schon nach den ersten 2 Kilometern ist „Team Latschdemo“ eingeholt. Durch cleveres Taktieren holt sich aber „Team Twingo“ auf den letzten Metern das Gelbe Trikot.

2. Etappe

„Team Flora“ attackiert die Verfolgergruppe und fährt einen veritablen Vorsprung raus. Abspracheprobleme in der Verfolgergruppe, angeführt vom „Team SEK“, sorgen jedoch für einen chaotischen Schlussspurt.

3. Etappe

Schwerer Sturz auf der steilen Abfahrt. „Team Schnelle Meinung“ kriegt die Kurve nicht, kommt von der Bahn ab und erhebt schwere Faschismusvorwürfe an das gegnerische Team. „Team Distanzierung“ holt alle drei Bergwertungen. Aber „Team Polizei“ schiebt sich in der Mannschaftswertung uneinholbar auf Platz 1. „Team Nochschnellere Meinung“ beschwert sich beim Materialwagen, nicht ausreichend versorgt worden zu sein.

4. Etappe

Wegen eines vermeintlichen Ellbogenchecks wird der Anwalt von „Team Rote Flora“ vom Turnier ausgeschlossen. Auch ein kurzfristiger Anruf des Internationalen G20-Meinungsgerichtshofs konnte die Disqualifikation nicht verhindern.

5. Etappe

Das eigentlich chancenlose „Team Bosbach“ unternimmt einen ambitionierten Ausreißversuch. Die Entscheidung über den Tagessieg wird im Foto-Finish getroffen.

6. Etappe

Vor spektakulärer Kulisse reißt „Team Olaf Scholz“ eine Lücke. Das Team hat jedoch divergierende Interessen und lässt seinen Favoriten weitestgehend alleine.

7. Etappe

Im kurzen, aber giftigen Schlussanstieg zeigt „Team Rewe“ die größten Reserven. Im Massensprint kann sich Edeka nicht durchsetzen. Im Peloton kommt es beim „Team bürgerliche Mitte“ zu ersten Abspracheproblemen: Der Kampf um die richtige Kapitalismusdefinition und wer wann losfahren muss, um ihn einzufangen, entbrennt.

8. Etappe

Die Klassementfahrer kontrollieren das Tempo im Hintergrund, aber „Team Schwarze Liste“ sorgt immer wieder für Störungen.

9. Etappe

Die Nachführarbeit des Peloton schwächelt. Überraschend muss „Team Twingo“ das Gelbe Trikot an „Team BKA“ abgeben.

10. Etappe

Das Gesamtklassement rückt wieder enger zusammen. „Team Facebookpostings“ sagt nach der schweren Bergetappe: „Jetzt geht es an die Substanz. Ab jetzt tut jede Debattenetappe weh.“

11. Etappe

Vor dem Tour-Ruhetag achten die Tourfavoriten in erster Linie darauf, ihre Positionen zu halten und keine Attacken der Konkurrenz zuzulassen.

12. Etappe

Ruhetag. Manche nutzen ihn, um sich zu regenerieren. Manche fahren richtig hoch, um am Ball zu bleiben. Der Kampf ums Gelbe Trikot ist noch nicht entscheiden. Doch ein Ende ist in Sicht.

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seit 2008 Redakteurin der taz, seit 2012 taz.am Wochenende, davor Redakteurin bei „Jungle World“ und „Sport-BZ“

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