Kolumne Rambazamba

Zauberer wie Neymar

Missgunst und Häme schlagen so manchem Fußballstar entgegen. Doch wer Ausnahmespieler als „überschätzt“ abtut, überschätzt sich selbst.

Göttliche Füße, göttliches Lächeln. Bild: ap

Der dümmste unter den dummen Kommentaren zu einem Ausnahme-Fußballspieler lautet: „Der wird sowieso überschätzt.“ Wer dies kaltschnäuzig nun auch über das dramatische Ausscheiden des brasilianischen Superstars Neymar sagt, ist nicht nur arg herzlos, sondern vollständig ahnungslos.

Denn ein Neymar, so wie auch ein Messi, ein Ronaldo, ein Özil, ein Robben, all die großen Talente, über die immer wieder mal behauptet wird, sie seien höher bewertet als verdient, sind Ausnahmen vom Durchschnitt. Sie können etwas, was nicht alle können.

Das so fußballkommentatorisch abgedroschene Wort „zaubern“ könnte dafür richtiger nicht sein. Es sind Künstler am Ball, die mit diesem etwas anstellen, was kaum in Worte zu fassen oder gar rational erklärbar ist. Es ist eben Zauberei, Magie, Göttliches.

Die Fußballspieler aber sind glücklicherweise keine Götter, sondern fehlbar, haben auch mal eine schlechten Tag oder spielen gar ein schlechtes Turnier (was im Fall von Neymar bei dieser WM allerdings nicht ansatzweise zutrifft). Aber sie sind der Grund, warum auf der ganzen Welt Fußball geguckt wird und nicht Handball oder Wasserball. Wer zu solchen Fußballspielern sagt, dass sie „überschätzt“ sind, überschätzt seine eigene Kompetenz.

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seit 2008 Redakteurin der taz, seit 2012 taz.am Wochenende, davor Redakteurin bei „Jungle World“ und „Sport-BZ“

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